Kommandant Pflüger zieht sich zurück

10.05.17 - 19:16 - Martin Frank
Ab 1. August ist offiziell Kai-Benedikt Feess Chef der Winnender Feuerwehr, aber er ist noch in der Ausbildung
Seit fast 70 Jahren gilt in Winnenden: Der Feuerwehrkommandant heißt Pflüger. Zuerst leitete Helmut Pflüger die Wehr, 1988 übernahm dessen Sohn Harald Pflüger das Kommando. Am 1. August endet die Epoche: Harald Pflüger gibt das Amt ab, aber in der Winnender Feuerwehr wird der Name weiterhin stark präsent sein.

Es wird eine große Umgewöhnung für die Winnender und besonders für die Feuerwehr. Aber die hat alles getan, dass es in ihrem Sinne weitergeht. Ihr Wunschkandidat für das Amt des Kommandanten ist Kai-Benedikt Feess, ein Winnender, einer aus den Reihen der Freiwilligen Feuerwehr, der einen zweijährigen Lehrgang zum gehobenen feuerwehrtechnischen Dienst absolviert und sich bislang, ohne feste Zusage zu haben, auf das Amt des Kommandanten vorbereitete. Pflüger meinte, man sollte diesen Mann nicht in der Luft hängenlassen, man sollte ihm vor Ausbildungsende einen Vertrag anbieten. Dies geschieht.

Der Gemeinderat hat dem am Dienstagabend zugestimmt.

Für Harald Pflüger ist die Zeit zum Wechsel gekommen. Er hat eine schwere Operation hinter sich. Es geht ihm wieder gut, aber er ist nicht mehr so belastbar wie davor. Nach allen Regeln der Rente dürfte er jetzt ohne Abzüge in den Ruhestand gehen, nachdem er 47 Jahre berufstätig war und nachdem er mit Sicherheit einer der Kommandanten mit der längsten Amtszeit in Baden-Württemberg ist. „Mir fällt es schon schwer, aufzuhören“, sagt er, „ich hab’s gern gemacht, ich hab den Feuerwehrvirus ja mit der Muttermilch eingesaugt. Aber ich bin wirklich froh, wenn es zu Ende geht.“

Die größte Belastung ist das Verwaltungsgeschäft


Ab 1. August wird der 64-Jährige nicht mehr Kommandant sein, wird aber weiterhin der Feuerwehr zur Verfügung stehen und wird in vielen Belangen den neuen Kommandanten ersetzen, der ja bis zum Jahresende noch gar nicht in Winnenden sein kann. Diese Übergangszeit will Pflüger noch mitgestalten, will dem Nachfolger den Weg freihalten, obwohl ihm manche Freunde und auch Ärzte sagen: „Du hast es lange genug gemacht. Mach’ Schluss damit. Genieße das Leben.“ Ende September wird er 65, dann müsste er als ehrenamtlicher Feuerwehrmann sowieso aufhören. Nun ist er aber hauptamtlicher Kommandant, seit 2003 als solcher bei der Stadt angestellt. Deshalb darf er, wenn er möchte, noch länger für die Feuerwehr arbeiten. Aber was heißt „wollen“?

Die Einsatzleitung, die Gespräche mit den Kameraden, die Organisation – das macht er wirklich gerne. Nur kommt bei der Feuerwehr wie in allen Berufen immer mehr Verwaltungsgeschäft dazu. „Das ist die größte Belastung“, sagt Pflüger. Papiere, Dokumente, Protokolle, Führerscheinnachweise, Atemschutzprüfungsbestätigungen und, und, und. Vielleicht kann er sich dem entziehen, wenn er offiziell nicht mehr Kommandant ist. Er hat eine Halbtagsbürokraft und seit neuestem auch einen Verwaltungsfachmann im Feuerwehrbüro in der Mühltorstraße.

Könnten die drei Abteilungskommandanten für ein halbes Jahr den Kommandanten vertreten? Schwierig: Sie sind alle berufstätig, meist auswärts, zeitweise auch im Ausland. In ihren Berufen sind sie stark gefordert. Wer bei der Feuerwehr Führungsstärke beweist, gelangt auch in der Firma in verantwortungsvolle Positionen. Deshalb reicht ihre Freizeit zwar noch dafür, Einsätze zu leiten und Abteilungen zusammenzuhalten, aber fürs Tagesgeschäft und die Verwaltungsaufgaben haben sie nicht die Zeit.

Vier Generationen von Pflügers in der Feuerwehr

Die Übergangszeit mit Feess als Kommandant und Pflüger als sein Helfer und Vertreter kann offiziell bis zum 1. April 2018 dauern. Spätestens dann ist Harald Pflüger ganz aus dem aktiven Feuerwehrdienst heraus und kann sich dem Leben widmen, vor allem seinen vier Enkelkindern. Und natürlich weiterhin der Feuerwehr dienen, zum Beispiel im Feuerwehrverband und im Feuerwehrmuseum.

Der Name Pflüger bleibt stark vertreten in der Winnender Feuerwehr – einmal durch Harald Pflüger als Mitglied, dann durch dessen Vater Helmut Pflüger in der Alterswehr, und durch Harald Pflügers Frau Gabriela, die eine Gruppe der Kinderfeuerwehr betreut, und durch den Abteilungskommandanten Winnenden-Mitte, Michael Pflüger (43), dessen Tochter Emely in der Jugendfeuerwehr und deren achtjährige Schwester in der Kinderfeuerwehr sind. Und der jüngste Pflüger ist sozusagen schon auf dem Sprung ins Löschfahrzeug: Luke, zweieinhalb Jahre alt, setzt gerne einen Kinder-Feuerwehrhelm auf, zieht Einsatzstiefel an und fährt dann Bobbycar.


  • Der neue Kommandant der Winnender Feuerwehr ist 27 Jahre alt, in Winnenden aufgewachsen, hat am Lessing-Gymnasium Abitur gemacht und heißt Kai-Benedikt Feess.
  • Er hat Bau-Ingenieur studiert und als Bauleiter gearbeitet.
  • Die Feuerwehr war sein Hobby von Jugend an. Mit elf Jahren ging er zur Jugendfeuerwehr. In der aktiven Freiwilligen Feuerwehr von Winnenden ist er seit 2007.
  • Im Sommer 2015 wechselte er von der Bauleitertätigkeit in den Dienst der Stadt Winnenden mit dem Ziel, sich zum Feuerwehr-Kommandanten ausbilden zu lassen.
  • Kai-Benedikt Feess ist zurzeit in dieser Ausbildung. Fachlich korrekt ausgedrückt besucht er den Brand-Oberinspektoren-Lehrgang an der Feuerwehrschule in Bruchsal.
  • Am Dienstagabend kam er schnell von Bruchsal nach Winnenden, um der Gemeinderatssitzung beizuwohnen.

Quelle:
Winnender Zeitung vom 10.05.2017

Harald Pflüger in der Palmerstraße im April 2017: Einsätze leitet er gerne weiterhin, auch wenn er offiziell nicht mehr Kommandant sein wird. (Bild: ZVW; Schmitzer)

Der Neue: Kai-Benedikt Feess. (Bild: ZVW)