Wie reagiert die Winnender Feuerwehr auf den Hochhausbrand in London?
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Winnenden. Der Hochhausbrand von London beschäftigt Brandschützer und Feuerwehrleute in ganz Europa. „Wir werden darüber mit Sicherheit bei Veranstaltungen mit den Brandschutzverantwortlichen in den Feuerwehren diskutieren“, sagt Feuerwehrkommandant Harald Pflüger im Interview. Zwei Fragen stellen Brandgeschädigte und Journalisten in London: Waren genügend Fluchtwege im Hochhaus? Welche Wirkung hatte die Fassadendämmung?
Herr Pflüger, beim Hochhausbrand in London hat die Fassade gebrannt, die vermutlich aus Wärmedämmverbundsystemen mit Polystyrol oder Polyurethan war. Welche Erfahrungen hat die Winnender Feuerwehr mit solchen Dämmstoffen bei Bränden?
Die meisten Erfahrungen hat man in Waiblingen gesammelt, als das Gebäude an der Querspange brannte. Wir in Winnenden haben bislang noch nichts erlebt mit brennenden Dämmstoffen an Fassaden. Gar nichts.
Aber Sie sind darauf vorbereitet?
Die Gefahr ist groß. Das wissen wir, weil wir auf Schulungen immer wieder darauf hingewiesen werden. Sobald Dämmmaterial eingebaut ist, und das ist bei allen neuen und vielen alten Wohnhäusern in Winnenden der Fall, besteht die Gefahr, dass Flammen an der Außenwand von Stockwerk zu Stockwerk übergreifen.
Ist Polystyrol zu riskant als Dämmmaterial?
Was wollen Sie machen? Polystyrol hat man überall eingebaut.
Es gibt doch auch nicht entflammbare Dämmstoffe ...
Manchmal hat man auch die nicht brennbaren Dämmstoffe eingebaut. Aber was heißt das, nicht entflammbar? Der Stoff selbst brennt nicht, aber das Problem ist der Staub, der sich im Lauf der Jahre auf so einem Dämmaterial ansammelt. Der brennt. Staub liegt auf jedem Dachboden. Wenn irgendwo eine Zwischendecke eingezogen, ist, kriegen Sie den Staub nicht raus. Selbst die wirklich unbrennbare Glaswolle brennt, wenn sie voll ist mit dem Staub. Und diese Glaswolle wird oft und gerne bei Dach-Isolierungen verwendet. Alle Arten von Wärmedämmung führen bei einem Brand zu großer Rauchentwicklung. Aber die Dämmungen haben große Vorteile im Umweltschutz. Deshalb sind sie da. Dass sie Probleme mit sich bringen, müssen wir wissen und damit umgehen.
Winnenden hat auch seine Hochhäuser. Inwiefern sind Erkenntnisse aus London für die Winnender Feuerwehr interessant?
Wir werden darüber mit Sicherheit in der Winnender Feuerwehr diskutieren. Für mich ist auch interessant, ob in dem Londoner Hochhaus eines oder zwei Treppenhäuser waren. Aber die genaue Information darüber braucht Zeit. Das kann man aus der Ferne gar nicht beurteilen und einschätzen. Bei uns in Deutschland wird das jetzt alles von den Fachämtern für Brandschutz aufgerollt. Bei uns ist es zum Beispiel jetzt schon so: Bestimmtes, brennbares Dämmmaterial darf dann nicht verwendet werden, wenn ein Haus über 22 Meter hoch ist. An den Schelmenholzer Hochhäusern gibt es ganz sicher keine durchgehende Fassadenverkleidung wie in London, allenfalls können einzelne Wohnungsbesitzer eventuell ihren Fassadenabschnitt gedämmt haben.
Wenn eine Fassade brennt, kann die Feuerwehr dann überhaupt noch mit der Rettungsleiter Menschen retten? Kommt sie ans Haus ran?
Wenn die Fassade brennt, müssen wir die Flammen halt ablöschen. Das geht schnell. Wenn wir einen Monitor aufbauen und auf Sprühstrahl stellen, dann ist das schnell gelöscht und dann können wir bis zu einer Höhe von 23 Metern mit der Drehleiter Menschen retten.
Quelle: Winnender Zeitung vom 20.06.2017
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 Interview mit Kommandant Harald Pflüger (Bild: ZVW; Schmitzer) |
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