Helmut Pflüger hat durch geschicktes Verhandeln auf einen Schlag 248 historische Feuerwehrhelme dazugekauft
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Von unserem Redaktionsmitglied Martin Schmitzer Winnenden. Jeder Helm ist anders. Helmut Pflüger zieht aus der Vitrine des Winnender Feuerwehrmuseums einen Paradehelm raus, golden glänzendes Messing, wie eine Fontäne springt knallrot gefärbtes Rosshaar aus der Mitte des Helms: „Der war für den Leiter eines Spielmannszugs in Württemberg.“
Dieses Prunkstück, das jeder Punkband in die Requisiten passen würde, ist neu im Feuerwehrmuseum Winnenden. Helmut Pflüger hat es gekauft, zusammen mit einer Sammlung von 248 Feuerwehrhelmen, die er nach geduldigem Abwarten und dank geschickter Verhandlungen, doch noch unter seine Fittiche bekommen hat. Pflüger ist Sammler aus Leidenschaft. Er kennt den Markt der Feuerwehrobjekte, aber er kennt auch die finanziellen Grenzen des Museumsvereins, dessen Vorsitzender er ist. Was nicht bezahlbar ist, das lässt er ruhen, fragt öfter mal nach und wartet.
Schätzpreis 35 000 Euro: Kaufpreis 16 000 Euro
Schon lange weiß er, dass ein Mann in Sindelfingen, Sohn eines Feuerwehrkommandanten, eine gute Sammlung von Feuerwehrobjekten aufgebaut hat. Vor zehn Jahren kaufte Winnenden ihm mal einige lederne Löscheimer ab, die heute im Museum stehen. Die 248 Helme hatte der Sindelfinger ihm auch schon mal angeboten, vor einigen Jahren, zum Schätzpreis von 35 000 Euro. Da mussten die Winnender passen. So viel Geld hat der Museumsverein nicht. Der Mann verkaufte die ganze Sammlung für 35 000 Euro nach Bayern. Als der bayerische Verein bezahlen wollte, merkte er, dass er das Geld gar nicht hatte, weil der Vereinskassier es für private Zwecke verbraten hatte. Der Sindelfinger hatte seine Helme wieder und kein Geld. Da schlug die Stunde des Helmut Pflüger. Er verhandelte lange und geduldig und bekam die Sammlung für 16 000 Euro.
Für den Winnender Museumsverein ist das viele Geld, aber wie Karl Heinrich Lebherz vom Vereinsvorstand berichtete, haben die Mitglieder bis jetzt schon 8000 Euro gespendet. Die Investition ist zu schultern. Der Verein hat jetzt 704 Helme und kann mit absoluter Sicherheit behaupten: „Wir haben die größte Helmsammlung in Deutschland.“ Möglicheweise ist es sogar in Europa die größte, aber das ist noch nicht gründlich genug geprüft.
Groß ist die Sammlung, so groß, dass der Besucher vor lauter Helmen die Exoten gar nicht fände, wären da nicht Helmut Pflüger und seine Kollegen vom Verein, die alle Helme von A wie Algerien bis U wie Ungarn erklären können. Die neuesten in der Sammlung sind zum Beispiel glänzend schwarze Helme der griechischen Feuerwehr, die einen goldenen Lorbeerkranz aus Messing rundherum haben und einen goldenen Scheitelkamm tragen. Sehr würdig, sehr vornehm. Leider war in der Sindelfinger Sammlung kein Helm aus Zypern dabei, so dass die Sammlung nur von A bis U reicht.
Neu sind eine ganze Reihe von französischen Feuerwehrhelmen aus der Napoleonzeit, die ganz aus Messing gearbeitet sind und viel Zierrat tragen. Der erste Helm in die französichen Reihe, der ganze besondere, der ist schon lange in Winnenden. Es ist der Kriegshelm eines Napoleon-Generals, der in Friedenszeiten leicht umgearbeiet wurde zum Kopfschutz des Feuerwehrkommandanten von Paris. Und noch eine Rarität aus dem alten Bestand leuchtet weiterhin hervor aus der Helmsammlung: die sehr asiatisch wirkendende Sicherheitskopfbedeckung des Kommandanten der Feuerwehr von Peking, ein Tropenhelm mit roten Zierfäden.
Vier Helme sehen doch eigentlich tupfengleich aus, oder? Alle aus Messing, alle mit einem Scheitelkamm, alle aus dem Elsass und alle aus der Zeit zwischen 1871 und 1918. Trotzdem kennt Helmut Pflüger die Unterschiede: Hier ist der Kamm genietet, hier ist noch eine kleine Verzierung, der nächste ist aus einem Stück gemacht. Jeder Helm ist anders. Man muss nur genau hingucken. Oder Helmut Pflüger fragen.
Feuerwehrleiter von Maggi aufgestellt
Holzkonstruktion aus dem Jahr 1911 ist ein Blickfang für Bahnfahrer
Wer Bahn fährt, weiß es vielleicht schon: Das Feuerwehrmuseum hat eine kleine Außenausstellung mit alten Rettungsgleitern.
Neuestes Stück ist die Leiter mit der Aufschrift „Fabrikfeuerwehr Maggi“. Sie kommt, so versichert es Museumsleiter Helmut Pflüger, aus Singen vom Maggiwerk, wurde 1911 in handwerklicher Machart gebaut und war für damalige Verhältnisse ein großer technischer Fortschritt. Im Gegensatz zu den kleineren Leitern aus Winnenden wurde sie nicht von Menschen gezogen, sondern von Pferden, und sie konnte bis auf 25 Meter ausgefahren werden, obwohl die wesentliche Konstruktion aus Holz besteht.
Die Museumsleute haben diese und andere Leitern unters Vordach des Museums gestellt, damit Bahnfahrer gleich sehen: Im Museum gibt’s was. In den nächsten Tagen überlegen sie, wie stark die Leiter renoviert werden soll. Soll man den verblassten rosa Anstrich überlackieren? Pflüger will vorsichtig bleiben: „Vielleicht reinigen wir nur mit Holzpflege.“
Quelle: Winnender Zeitung vom 15.03.2016
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 Helmut Pflüger (links) mit dem Helm des Feuerwehrkommandanten von Paris und Karl Heinrich Lebherz mit dem Helm eines Chefs eines französischen Spielmannszugs, dahinter Helme von A wie Algerien bis U wie Ungarn. (Bild: ZVW; Büttner)  Knallrot und haarig: Der Helm eines Chefs eines Spielmannszugs. (Bild: ZVW; Büttner)  Pflüger, Lebherz, und die Leiter aus Singen vor dem Feuerwehrmuseum (Bild: ZVW; Büttner) |
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