Wenn ein Keil die Schutztür blockiert

18.04.16 - 09:39 - Martin Frank
Feuerwehr geht bei Hauptübung vom schlimmen Fall aus, dass ein Feuer in der Tiefgarage das ganze Rathaus verraucht
Winnenden. Brandschutztüren verhindern, dass Rauch von der Tiefgarage ins Rathaus zieht. Doch für die Hauptübung konstruiert Feuerwehrkommandant Harald Pflüger den Fall: „Ein Keil wurde unter eine Tür geschoben, so dass sie sich nicht automatisch geschlossen hat.“ Voilà: Beim Tiefgaragenbrand sitzen Mitarbeiter im stechenden Rauch fest.

„Mit der Hauptübung demonstrieren wir, wie wir vorgehen, welche Möglichkeiten und Geräte wir haben. Wir üben immer den schlimmsten Fall“, so Pflüger. Sorgenkind ist die Menschenrettung. Über Versorgungskanäle, Installationsschlitze und nicht zufallende Brandschutztüren ist Rauch von der Tiefgarage ins Rathaus gelangt. Das Publikum schicken die Feuerwehrleute am Samstagnachmittag einmal rund ums Gebäude, die Übung spielt an mehreren Stellen. Die Rettungskräfte selbst fahren mit viel Technik vor, laufen und klettern zu ihren Einsätzen. Ein Sprungbrett steht bereit, Atemschutzträger betreten mit zischelnden Geräten das verrauchte Rathaus. Zwei Wehrmänner verschwinden mit einer Schleifkorbtrage in einem der Wallstraße zugewandten Gebäudeteil. Dort sitzen im Versorgungskanal zwei Monteure fest.

Die Actionszenen mehren sich auch um die wassergefüllten Schläuche vor der Tiefgarageneinfahrt. Elf Fahrzeuge wären im Brandfall dabei. Auf dem Santo Domingo de la Calzada-Platz postieren sich zwei Hilfeleistungslöschfahrzeuge und stellen die Wasserversorgung sicher. Schlauchschnecken werden zu langen Schlangen entrollt, Verteiler und Wasserentnahme über die Fahrzeuge startklar gemacht. „Im Ernstfall wäre es in den unteren Parkdecks wichtig, eine große Schlauchreserve zu haben, darum sieht es jetzt wild aus mit vielen Schläuchen“, informiert der Einsatzleiter.

„Hilferufe“ aus dem fünften Stock und aus dem Sitzungssaal

Von der Diebsturmseite aus fährt die Drehleiter den Korb himmelwärts, um zwei Personen aus der Registratur zu retten, die im fünften Stock vom Brand zu spät etwas mitbekommen habe. Leise Hilferufe dringen aus dem Rathaus, im vernebelten Sitzungssaal und aus Büros werden Personen vermutet. Die Jugendfeuerwehrleute spielen ihre Rollen als Verletzte glaubwürdig, lassen sich mit leidenden Gesichtern, aufgemalten Verletzungen, Platzwunden und aschegeschwärzten Wangen aus den Gebäuden führen. Einer ist unter Schock und setzt die Miene „sterbender Schwan“ auf, einer liegt regungslos auf der Schleifkorbtrage und mimt Ohnmacht. Er ist mit Ösen vor dem Abrutschen gesichert und mit Gurten fixiert. Damit könne er auch an unwegsamen Stellen gerettet werden und es lassen sich Senkrechten überwinden, erklärt Kommandant Pflüger. In der Realität kämen die Rathausmitarbeiter auf dem ersten Fluchtweg über die Treppenhausgänge ins Freie. Und Rauchabzüge im Treppenhaus sowie Dachflächenfenster, die automatisch auffahren, sorgen im Ernstfall dafür, dass der Rauch abzieht. Ist das Treppenhaus dennoch verraucht, greife der zweite Rettungsweg: Zwischen den Büros sind Verbindungstüren, die nicht verschlossen werden können. Mitarbeiter könnten so die rettende Wendeltreppe erreichen. „Diese würden wir nie für einen Löschangriff nutzen“, erklärt Pflüger. Sonst könnte die Feuerwehr den von oben aus dem Gebäude strömenden Menschen den Fluchtweg versperren.

Quelle: Winnender Zeitung vom 18.04.2016

Bild: ZVW