Feuerwehrfrau gründet Kindergruppe

26.01.16 - 00:00 - Martin Frank
Sandra Layer und sechs weitere Mütter sind die Betreuerinnen für Sechs- bis Neunjährige
Winnenden. Sandra Layer ist eine von vier aktiven Feuerwehrfrauen in der Abteilung Stadtmitte. Zusätzlich wird sie ab Februar eine Gruppe für Kinder von sechs bis neun Jahren leiten. „Es geht um Spiel, Spaß und Spannung – und ein bisschen um Brandschutz- und Verkehrserziehung“, sagt die 44-Jährige schmunzelnd.

Die Frau ist die ideale Besetzung. Sie bringt Fachkenntnis mit – als Mutter zweier Kinder und als aktive Feuerwehrfrau. „Ich war 2009 die Zweite bei der Abteilung Stadmitte“, sagt die aus Leonberg stammende Sabine Layer. „Es war schon immer mein Wunsch, mitzumachen.“ Sie hat es nie bereut, obwohl sie schon heftige Situationen erlebt hat und es nicht so schön ist, manchmal nachts um 3 Uhr aus dem Tiefschlaf gerissen zu werden. „Man bekommt jegliche Unterstützung, die man braucht, und nimmt so viel Kameradschaft mit, das ist es echt wert“, so ihr Fazit nach sieben Jahren.

Noch müssen sich Frauen in der Männerdomäne behaupten

Eine Kindergruppe bietet, ähnlich wie die Jugendfeuerwehr, mehr Mädchen (und auch Kindern mit Migrationshintergrund) die Chance, ins Lebensretter-Ehrenamt hineinzuwachsen. Auch deshalb ist die 44-Jährige von dem neuen Angebot überzeugt.

Sechs Frauen zählt die Gesamtwehr Winnenden und 184 Männer. Wie wurde Sandra Layer aufgenommen? „Als Frau muss man sich schon durchboxen, sich behaupten“, sagt sie, „es ist eine Männerdomäne.“ Vom technischen Sachverstand her habe sie viel dazugelernt. An normalen und Spezial-Übungen, wie zuletzt auf der „Strecke“, einer Art Parcours in Fellbach, trainiert, schwitzt und keucht sie wie die Männer auch. Die Atemschutzausrüstung wiegt allein 26 Kilo. „Da bin ich zu Hause mit meiner Tochter auf dem Rücken treppauf und treppab gelaufen, um ein Gefühl dafür zu kriegen. Es ist wichtig, zu wissen, wie einsatzbereit man auch körperlich ist.“

Viele Spiele, aber auch Erklärung, wie ein Brandmelder funktioniert


Da ein Feuerwehrmann in der Montur mit Sauerstoffmaske furchteinflößend aussieht, werden Sinn und Zweck in der neuen Kindergruppe ebenso erklärt wie der eines Brandmelders. Wenn jener mit ohrenbetäubenden Schrilltönen loslegt, kann das kleine Kinder verstören oder bei ihnen Panik auslösen. In der Gruppe erfahren sie, wie sie sich verhalten sollen. Grundsätzlich soll die Ausbildung des Feuerwehrnachwuchses aber nicht vorgezogen werden. Erst in der Jugendfeuerwehr ab zehn Jahren werden sie an Einsätze herangeführt und tragen eine Art Uniform. „Bei uns bekommen die Kinder T-Shirts und wir werden Spiele mit Feuerwehrbezug machen.“ Zum Beispiel merken sie sich zehn Dinge wie Helm und Taschenlampe, eins verschwindet, die Kinder müssen sagen, was es war. Oder es werden Spiele wie Faul-Ei abgewandelt zu „Der faule Kommandant“. „Mit einem Feuerwehrhandschuh statt einem Taschentuch“, sagt Sandra Layer lachend. „Mit unserem Kommandanten Harald Pflüger hat es aber nichts zu tun, er ist sehr fleißig!“ Er war es auch, der schon vor mehreren Jahren den Wunsch gehabt hat, so eine Gruppe zu eröffnen, wobei Winnenden nicht Vorreiter ist, etliche Feuerwehren haben schon eine.

„Kinder interessieren sich stark für die Feuerwehr, aber wir haben ihnen bisher sagen müssen: Warte noch fünf Jahre.“ Sandra Layer weiß, dass in dieser langen Zeit oft andere Hobbys gefunden werden, die die Freizeit des Nachwuchses ausfüllen. „Aber ab sofort können wir auch Kinder aufnehmen und den Spannungsbogen über die Jugendfeuerwehr bis zur aktiven Wehr aufrechterhalten.“ Aus- oder Einstieg sind jederzeit möglich, keiner muss sich auf zehn Jahre festlegen. An den Start geht die Gruppe auf jeden Fall: „Fünf Kinder, darunter meine neunjährige Tochter Lilly, sind schon angemeldet“, sagt Sandra Layer, „und nach oben setzen wir keine Grenze.“
Sandra Layer, aktive Feuerwehrfrau, öffnet nun auch Kindern das Tor ins Magazin: Am 17. Februar startet eine neue Gruppe.

Quelle: Winnender Zeitung vom 26.01.2016

Sandra Layer, aktive Feuerwehrfrau, öffnet nun auch Kindern das Tor ins Magazin: Am 17. Februar startet eine neue Gruppe. (Bild: Steinemann; ZVW)