Brandstimmung im Jugendhaus

28.07.15 - 21:44 - Daniel Bahner
Was wäre, wenn bei einem Rockkonzert ein Feuer ausbräche? Jugendfeuerwehr übt Löschen, Retten und Lage-Beruhigen
Winnenden.
Während eines Rockkonzerts im Jugendhaus bricht ein Feuer aus - ein Szenario, wie gemacht für eine Übung der Jugendfeuerwehr. Schon als man sie kommen hört, ist klar: Gleich ist mächtig was los. Die Augen der zuschauenden Kinder werden immer größer.


Zwei Löschfahrzeuge biegen mit "Tatütata" in die Mühltorstraße ein. Würde man in dem Moment die vielen Kinder am Straßenrand nach ihrem momentanen Berufswunsch fragen - an den Gesichtern und offenen Mündern ist abzulesen, dass vermutlich alle "Feuerwehrmann" oder "Feuerwehrfrau" sagen würden. 20 Nachwuchsfeuerwehrleute wie aus dem Bilderbuch, mit Uniformen und orangefarbenen Helmen, springen nacheinander aus den Fahrzeugtüren und verteilen sich. Jeder weiß, wo er hingehört, jeder Handgriff sitzt, jede Bewegung ist Teil der ablaufenden Choreografie einer Menschenrettung und Brandbekämpfung.

Blau blinken die roten Fahrzeuge beim Manövrieren. Im Jugendhaus drin pustet die Nebelmaschine milchig-weiße Brand-Stimmung durch die Räume, die in Schwaden aus den Fenstern quillt. Die Augen der zuschauenden Kinder wandern zu den Jugendlichen, die den Aufbau eines Standardlöschangriffs zeigen, mit einem Rohr ins "brennende" Gebäude stürmen und eine Riegelstellung aufbauen. "Mit der Riegelstellung wird im Ernstfall ein Übergreifen des Feuers auf ein Nachbarhaus verhindert, heute machen sie es zu Schauzwecken", erklärt Jugendfeuerwehrwart Daniel Bahner. Darum gehe es bei dieser Übung: "Dass sie zeigen, sie können was."

Die Geschichte vom Rockkonzert ist für Jugendliche greifbar nahe

Auf der Suche nach einem Szenario, das er den Leuten per Mikrofon gut und anschaulich erzählen kann, sei die Wahl wie in den Vorjahren auf das Jugendhaus gefallen. Die Geschichte mit dem Rockkonzert ist den Jugendlichen wie auf den Leib geschneidert und aus Feuerwehrsicht nicht aus der Luft gegriffen. "Wenn viel los ist, kann es passieren, dass bei der Essenszubereitung in der Küche etwas Feuer fängt", so Bahner.

Am Eingang zum Jugendhaus ist das LF 20 (Löschgruppenfahrzeug für neun Personen plus 2000 Liter Wasser, Pumpe, Leitern und mehr) der Abteilung Stadtmitte. Die Personenrettung über eine Leiter beginnt. Die Verletzten rufen - schön theatralisch gemimt von Jugendfeuerwehrleuten - um Hilfe, die Maschinen der Fahrzeuge machen dröhnende Geräusche. Man sieht junge Feuerwehrleute, die mit den Menschen an den Fenstern sprechen - neben dem technischen Wissen ist die Betreuung eine wichtigesoziale Funktion der Feuerwehr. Ohne Probleme schließen JugendfeuerwehrleuteSchläuche an einen Hydranten weiter unten an. Für den ersten Angriff wird der Vorrat aus dem Fahrzeug genutzt, damit können sie sofort loslegen. Wasserzufuhr wird sicherheitshalber immer von zwei Seiten sichergestellt, auch wenn davon auszugehen ist, dass die Menge in den Fahrzeugen reichen könnte, erklärt Frank Dissertori, Abteilungskommandant Stadtmitte. "Man weiß nie, wie es sich entwickelt und welche Menge gebraucht wird."

Atemschutzausrüstung ist selbst gemachte Attrappe

Ein paar Jungs fallen mit ihren gelben Röhren auf dem Rücken auf. Es sind Attrappen von Druckluftflaschen, mit denen sie heute ein bisschen Atemschutzträger spielen und üben dürfen. Die "Flaschen" sind Marke Eigenbau der Jugendfeuerwehr: Auf ausgemusterte Atemschutzgestelle haben sie gelbe Abwasserrohre montiert - ein Beispiel für praktiziertes Upcycling, eine schlaue Wiederverwertung von Abfallprodukten. Der Posten des "Atemschutzträgers" sei immer sehr beliebt, verrät Dissertori. Es ist sicher auch einer der Berufswünsche
der Kinder an diesem Mittag.

@Bilder auf www.zvw.de/winnenden.

Mehr vom Treffpunkt Feuerwehr
  • Holger Kadau, Gruppenleiter des Jugendrotkreuzes der DRK-Ortsgruppe, und vier Einsatzhelfer kümmerten sich bei der Übung der Jugendfeuerwehr um die Verletzten. „Wir hatten eine starke Verbrennung am Unterarm, weil sich der Mensch mit dem Arm vor dem Gesicht vor dem Feuer schützt“, erläuterte er.
  • Verbrennungen im Gesicht und eine Rauchgasvergiftung sind ihm untergekommen. Es konnte mit Sauerstoff über eine Nasensonde und eine Maske Abhilfe geschaffen werden.
  • Beim Treffpunkt Feuerwehr machten kleine Besucher am Samstag einen Ausflug in die große Kindererlebniswelt mit zehn Stationen. An jeder Station warteten Spiele rund um die Feuerwehr, die von Jugendfeuerwehrleuten gestaltet wurden. Sie haben sich einen Parcours ausgedacht, in dem ein Ball mit einem Blasgerät durch Feuerwehrgegenstände und Armaturen hindurch geblasen werden musste.
  • Im Spielehaus waren schon die Kleinsten mit Feuereifer dabei und rückten mit dem roten Bobbycar aus. Es gab Feuerwehr- Memory, Büchsenwurfstation und an allen drei Tagen die Feuerwehr-Wasserspiele.
  • Am Samstagabend führte der Feuerkünstler Lars Widmann aus Auenwald eine Feuershow auf.
  • Am Montagabend geht es noch mal heiß her im und rund um das Feuerwehrhaus: Die Stadtkapelle spielt. Und es gibt eine Vorführung rund um das Thema Feuerwehr und Tipps zum Umgang mit dem Feuerlöscher
Quelle: Winnender Zeitung vom 27.07.2015

Übung am Jugendhaus: Jugendfeuerwehr schließt Schläuche an Hydrant an. Rotes Kreuz versorgt „Verletzte“. Bild: Beytekin (ZVW)

Treffpunkt Feuerwehr: Zielen mit dem Feuerwehrschlauch. Bild: Beytekin (ZVW)


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Winnender_Zeitung_2015_07_27_02.pdf