Applaus für die Maibaumshow

03.05.15 - 14:26 - Daniel Bahner
Publikum erwünscht: In Winnenden richten 25 Männer mit reiner Muskelkraft den 22 Meter hohen, geschmückten Stamm auf
Von unserem Redaktionsmitglied Regina Munder

Winnenden.

„Der muss ganz schön schwer sein, wenn da so viele drücken müssen!“, sagt ein sechsjähriger Junge zu seinem Freund. Er beobachtet 25 Feuerwehrleute, die auf dem Marktplatz ein letztes Mal in 20 Minuten ihre Kräfte sammeln, um den Maibaum in die Senkrechte zu befördern. Als es so weit ist, ruft das Publikum „Juhuuu“ und applaudiert.

Zum ländlichen Brauch des Maibaumaufstellens auf dem Marktplatz spielt die Stadtkapelle „New York, New York“. Aber warum nicht: Der Willkommensschmuck für den Wonnemonat ist zwar nicht so lang wie ein Hochhaus in der Metropole, aber mit seinen 22 Metern doch den größten Gebäuden links und rechts vom Platz ebenbürtig. Dazu kommt, dass das Lied schwungvoll gespielt ist von den Stadtmusikanten unter Leitung von Michael Helminger, die sich im Übrigen mutig der Witterung aussetzen und unbedacht spielen, die Plätze unter den Pavillons überlassen sie den Bürgern. Glück gehabt, es regnet wider die Vorhersagen nicht Punkt 18 Uhr und auch noch nicht eine Stunde später. Bloß kühl ist es mit 15 Grad, wie so oft am letzten Tag des April.

Musik ist Trumpf bei der kleinen Hocketse auf dem Marktplatz 

Ja, und eigentlich sieht man die Musiker gar nicht. Sie sitzen an der Ecke zur Entengasse, bleiben bescheiden im Hintergrund, lassen sich nicht erhöhen von einer Bühne. Sie liefern sozusagen die Hintergrundmusik. Stattdessen nutzen fünf Kinder den Marktbrunnen als Bühne: Sie stehen auf seinem Rand, genießen den Blick aufs Geschehen – und dass sie als Nachwuchsdirigenten und Hüftwackler zu „Musik ist Trumpf“ auch gesehen werden vom großen Publikum.

Freiwillige Feuerwehr lässt auf Kommando ihre Muskeln spielen

Auffällig viele Kinder sind da bei der Maibaumshow. Die möchte die Freiwillige Feuerwehr auch gern jedes Jahr zeigen, damit krönt sie ihre kleine Hocketse mit Wurst im Wecken und dunklem Maibockbier. „Wir könnten ja den Baum mit der Maschine hochziehen, dann bräuchte man nur einen Mann“, sagt Kommandant Harald Pflüger und lacht. Der Rüstwagen mit dem am Stamm verankerten Drahtseil steht aber nur zur Sicherung da. Die Winnender richten mit Geschick und Muskelkraft den Maibaum von Hand auf. Gleichzeitig drücken auf Kommando hilft da ungemein. „Vor allem das von unten rausdrücken ist schwer“, erläutert Pflüger nach dem Akt. 

Nach mehreren der schweren Etappen kann der kleine Transportwagen darunter weggenommen werden. Jetzt kommen mit Ketten zusammengebundene Stangen zum Einsatz. Auch wenn nicht gedrückt wird, müssen je drei Mann eine Stange halten. Dann ist wieder Zeit für die beiden Jungs hinter der Absperrung, weiter zu fachsimpeln: „Der ist ganz schön hoch, der Baum“, sagt der eine. Korrigiert ihn der andere: „Das ist kein Baum. Das ist Holz mit Grün 

Feuerwehr wirbt bald auch um Bambini
  • Zu einem Foto von der Maibaumaufstellung heißt es auf einer Postkarte: „Deine Feuerwehr braucht dich!“ Es ist Werbung um neue Mitglieder, die Kinder ab zehn Jahren oder Jugendliche ab 17 Jahren zum Erhalt weiterer Infos an die Zentrale in der Mühltorstraße schicken können. 􀀕 
  • Natürlich gibt es auch Postkarten mit spektakuläreren Bildern, von Übungen im Brandcontainer und vom Löschen auf einer Wiese. „Die Botschaft der Maibaum-Karte sollte Kameradschaft und Teamgeist ausdrücken, die wir in der Feuerwehr pflegen“, sagt Jugendfeuerwehrwart Daniel Bahner.
  • Die vielen unter Zehnjährigen im Publikum der Maibaumaufstellung geben Kommandant Harald Pflüger mit dem neuesten Ansatz recht, den er kürzlich im Gemeinderat erklärt hat: „Wir wollen auch noch eine Bambinigruppe einrichten, in der Pädagogen die Sechs- bis Zehnjährige spielerisch an die Feuerwehr heranführen. In dem Alter bekommt ja jedes Kind glasige Augen, wenn es die Feuerwehr nur sieht. Aber bis sie in die Jugendfeuerwehr dürfen, sind sie vielleicht schon im Fußballverein.“

Quelle: Winnender Zeitung vom 02.05.2015

Am 30. April verzichtet die Freiwillige Feuerwehr auf die Kraft der Maschinen und richtet in 20 Minuten den Maibaum mit reiner Muskelkraft auf. Foto: Büttner (Winnender Zeitung)


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Winnender_Zeitung_2015_05_02.pdf