Bei der Stadtputzete entfernen Helfer die Abfälle von Rauchern, Schnapstrinkern und Schnellimbisskunden
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Winnenden. Der städtische Umweltbeauftragte Jürgen Kromer freut sich über die Riesenbeteiligung bei der Stadtputzete. Alle Gruppen kamen mit mehr Personen, als angemeldet waren. „Wir haben das an der Handschuhausgabe gemerkt, dass von allen Gruppen mehr benötigt wurden.“
Über 300 Freiwillige sammelten Müll und lernten auch etwas über die (Konsum-) Gewohnheiten ihrer Mitmenschen. Zusammen mit sechs Mitstreitern vom Team Arkadien säubert Roland Braun den Bereich zwischen Lange Weiden und Zipfelbach. Er pickt Plastikfolien, Verpackungsreste, Zigarettenkippen und Getränkedosen vom Boden und zeigt mit leicht angewidertem Blick in seinen roten Eimer: „Nichts Appetitliches findet man da.“
Im Bach elf Fahrradschlösser gefunden – alle geknackt
In ihren grellen Warnwesten sind die Müllsammler von weitem zu sehen: Im ganzen Stadtgebiet, in den Stadtteilen, an Straßenrändern und Häusern, an Buchen- und Zipfelbach greifen sie mit Handschuhen und Zangen ins Gebüsch, lesen Plastikpackungen unter Bänken auf und kratzen unzählige Zigarettenkippen vom Boden. Bei Achtklässlern der Umwelt-AG der Albertville-Realschule gehören ein Besen, eine Gerte, Socken und Schuhe zur Ausbeute. Am meisten regen sie sich über „die vielen Raucher“ auf. „Wir hätten nicht gedacht, dass so viele Zigarettenkippen und Schachteln rumliegen.“ Sven Kubick, der Leiter der AG, merkt an den Reaktionen, dass bei den Jugendlichen etwas hängenbleibt von der Aktion. „Sie prägen es sich anders ein, wenn sie es mit den eigenen Händen aufheben.“
Martin Deutschle vom Angelverein klagt über die „vielen Flaschen“, die auf dem Weg von der Jet-Tankstelle zum Krankenhaus im Zipfelbach lagen. „Außerdem elf Fahrradschlösser, alle aufgebrochen“, berichtet er. Auffallend viele Reifen und „Startpiloten“ - kleine Schnapsflaschen und Flachmänner - werden auch Jürgen Kromer gemeldet. Jugendfeuerwehrwart Daniel Bahner, der mit drei Gruppen den wohl lautesten Streckenabschnitt an der Backe hatte - die vielbefahrene Südumgehung ab dem Klinikkreisel bis zum Burkhardshofkreisel - ist der Verpackungsmüll aufgefallen: „Kaffeebecher und Essensverpackungen – man sieht am Müll, welche Ketten und Läden ihr Sach’ verkaufen.“
Bachaufwärts – immer in Richtung klares Wasser
Der „russische Freund“ grüßt auch aus dem Wasser, sagt Marcus Hilt vom Angelverein und hält eine kleine Wodkaflasche in die Höhe. Bewehrt mit Handschuhen, Zange und Müllsäcken kämpft sich das Zipfelbachsäuberungskommando bachaufwärts durch. „Wir lassen das aufgewirbelte trübe Wasser hinter uns und haben das klare Wasser vor uns, damit können wir alles am Grund gut sehen“, erklärt er die Marschrichtung. Der Angelverein hat sich einen Tag vor dem offiziellen Vereins-Anfischen sein angestammtes Gebiet vorgeknüpft: In Watstiefeln stakst Hilt bachaufwärts und entmüllt den Lebensraum der Forellen. Insbesondere Reste von Damenbinden, die nach Hochwasser im Geäst hängen bleiben, bezeichnet er als „sehr nervig“. Entlang dem Bach recken sich schon Buschwindröschen und Lerchensporn der Sonne entgegen. Leider „gedeihen“ auch viele Plastiktüten am Uferrand und laut Nachwuchsangler Sören Thülly „eine Bohrmaschine“ und „ganz viel Papier“. Immerhin: Ein paar schöne „Funde“ liegen auf dem Weg. „An einer Stelle gab’s Huflattich, den nehm’ ich mit und mache mir Tee“, sagt Marcus Hilt.
Quelle: Winnender Zeitung vom 23.03.2015
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 Jugendfeuerwehr im Einsatz an der Südumgehung – ein Feuerwehrauto sichert die Helfer (Bild: ZVW) |
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