Was tun, wenn der Stall brennt?

20.04.15 - 22:51 - Daniel Bahner
Bei der Hauptübung der Feuerwehr testen die Helfer auch, wie man ein gestürztes Pferd aus einem Graben hievt
Von unserer Mitarbeiterin Heidrun Gehrke

Winnenden.
Keine Rauchentwicklung und kein „Tatü-Tata“ bei der Hauptübung der Feuerwehr – das ist ungewohnt, aber nachvollziehbar. Schauplatz des einstündigen Einsatzes war nämlich die neue Reitanlage Burkhardshof und die 80 Pferde, die dort wohnen, hätten zu viel Action nicht vertragen

„Martinshorn und Rauch hätten die Tiere scheu gemacht“, erklärt Kommandant Harald Pflüger. Dass darauf verzichtet wird, war mit dem Besitzer der Reitanlage, Christian Kölz, abgesprochen. Flackerndes Blaulicht, die rot blinkende Warnleuchte des Einsatzleitwagens und 100 Feuerwehrleute und DRK-Einsatzkräfte in Uniformen, mit Atemschutz und Helmen sind anschaulich genug, um den Anschein von Feuerwehrrealität zu erwecken. Blickt man über das Reitareal, schlägt vor dem geistigen Auge die Filmklappe denn auch ganz ohne Martinshorn aufeinander: Auf dem Boden verteilt schlängeln sich Schläuche, irgendwo brabbelt immer ein Funkgerät, dazu das zischende Geräusch der Atemschutzträger beim Einsaugen der Pressluft.

Zuschauer beobachten die Übung mit Ferngläsern

Action – die Hauptübung läuft: Vor einer malerischen Kulisse aus weißer Obstbaumblüte und frischer grüner Wiese hantieren Feuerwehrmänner mit Wasserversorgung und Funk und rangieren die Fahrzeuge über die hügelige Piste. Wasser springt fontänengleich in die Höhe: Eine Wasserwand, die mit 800 Liter Wasser pro Minute im Ernstfall die Hitzestrahlung von herumfliegenden Strohbündeln minimieren würde, ist ein Blickfang für die vielen Schaulustigen, die den Eindruck, man befinde sich auf einem Filmset, mit gezückten Smartphones und Handycams vervollständigen. Kinder wetzen über die Wiese und sichern sich die besten Stehplätze, leicht erhöht auf einem Kieshaufen. In der ersten Reihe zwei Frauen, die sich ein Fernglas teilen, um kein Detail zu verpassen.

Keine schlechte Idee, denn das Gelände ist weitläufig und die Einsatzabschnitte liegen teilweise bis zu 80 Meter auseinander. Die Dame, die das Fernglas an den Augen hat, verfolgt eine Gruppe von Feuerwehrmännern, die sich von gegenüber nähert, angeführt von einem Löschgruppenfahrzeug mit Schlauchanhänger. „Wir bauen eine zusätzliche Wasserversorgung vom Hochbehälter am Stöckach auf“, erläutert Pflüger den Vorgang, bei dem der weiße Schlauch aus dem Heck des fahrenden Wagens rollt. Im Ernstfall würde man den direkten Weg ans Wasser wählen und die Wasserversorgung vom Bach her aufbauen. „Dazu würden wir eine Schlauchleitung über die Straße legen und diese für den Verkehr sperren, das ist für die Übung aber zu viel Aufwand“, so Pflüger. 

Auch die Geschichte mit dem Kindergeburtstag auf der Reitanlage, die der Hauptübung zugrunde liegt, entspricht nicht der Realität. „Wir haben uns etwas ausgedacht, um am Objekt gut üben zu können“, erklärt Pflüger das weit hergeholte Szenario: Das Stroh in der Lagerhalle ist für die darin herumtollenden Kinder ein Paradies, sie spielen Verstecken und klettern herum, bis ein Kraftfahrzeug anfängt zu qualmen. Feuer im Strohlager, große Aufregung, Riesenpanik. Die Übungsgeschichte vom Strohlager eigne sich gut, um die hiesige Wasserversorgung kennenzulernen.
Auch die Tätigkeitsfelder der DRK-Einsatzkräfte sind abgedeckt. Die „Verletzten“, alle aus den Reihen der Jugendfeuerwehr, harren im Stroh aus, bis sie von Raphael Rojas und seinen Einsatzkräften des DRK-Ortsvereins beruhigt, auf Tragetüchern ins Versorgungszelt gebracht und verarztet werden. „Wir haben 18 Verletzte behandelt“, sagt der Einsatzleiter der Schnelleinsatzgruppe. Beim Versuch, ein imaginiertes, scheuendes Pferd zu beruhigen, wurden Reiter an die Wand gedrückt und bleiben verletzt am Boden liegen – auch hier leisten DRK-Einsatzhelfer ganze Arbeit bei der Versorgung.

Strohballen und Puppe ersetzen Pferd und Kind
  • Um Pferde dreht sich alles rund um die Reitanlage, darum handelt ein Teil der Hauptübung von der Tierrettung. Diese würde im Ernstfall genau so ablaufen, wie Kommandant Harald Pflüger versichert. Bei der Übung ist ein fiktives Pferd in einen Graben geplumpst und kann sich nicht selbst befreien. Ein Strohballen, der an Spezialgurten gesichert in der Schwebe hängt, wie ein Mensch beim Physiotherapeuten im Schlingentisch, tut’s zu Übungs- und Anschauungszwecken auch: Mit reichlich kindlicher Fantasie kann man sich das stark verunsicherte „Tier“ vorstellen, das im Ernstfall narkotisiert wird und anschließend mit der Drehleiter in die Höhe gezogen und veterinärmedizinisch betreut wird. Vor eineinhalb Jahren haben sie einmal einen ähnlichen Fall in der Realität gehabt, erzählt Pflüger.
  • „Verletzt“ wollten ganz viele sein. Statist bei der Hauptübung ist „ein sehr beliebter Job“ unter der Jugendfeuerwehr, wie Stadtjugendfeuerwehrwart Daniel Bahner anmerkt. Doch statt eines Kindes, das unter einen herabfallenden Strohballen eingeklemmt wurde, ziehen die Feuerwehrleute eine rund 80 Kilogramm schwere Übungspuppe mit Hilfe eines Luftkissens unter der Last hervor.
Quelle: Winnender Zeitung vom 20.04.2015
 

Die Jugendfeuerwehrleute spielen die Verletzten, die die Freiwillige Feuerwehr bei einem fiktiven Brand im Pferdestall versorgen muss. Foto: Steinemann (Winnender Zeitung)

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