Brandgefahr? Noch nicht

06.12.14 - 19:28 - Daniel Bahner
Feuerwehr ist unaufgeregt: Adventskränze brennen erst kurz vor Weihnachten lichterloh
Von unserem Redaktionsmitglied Martin Schmitzer

Winnenden. Warnhinweise könnten uns den Advent versauen. Sprechen wir lieber mit dem Winnender Feuerwehrkommandant Harald Pflüger. Der mag den Advent und mag richtige Kerzen mit echtem Feuer und keinen Plaschdiggruscht mit aufgesprühtem Fichtenduft. "Jetzt", sagt Pflüger, "brennen die Adventskränze noch nicht ab. Das kommt erst an Weihnachten, wenn sie trocken sind."

Also bleiben wir mal ganz ruhig, zünden am Sonntag das zweite Kerzle an und lassen die echten Tannenzweige duften. So viel Gemütlichkeit muss sein. Bloß: A bissle aufpassen schadet au nix. Harald Pflüger, zum Beispiel, weiß schon, dass so eine Stoffdecke unterm Adventskranz schöner aussieht als kahler Stahl. Und dass man natürlich gerne neben dem Adventskranz die Zeitung liest und sie dann dort liegen lässt, weggeht, und vergisst, die Kerzle auszupusten ... "Wenn nichts Brennbares in der Nähe ist, wenn der Adventskranz auf einer Platte liegt, dann passiert nicht viel", sagt er. Der Kranz, wenn er schon trocken ist, brennt runter und das Feuer geht aus.

An den Tagen vor Weihnachten, wenn alle an den Christbaum denken, und ob der auch einigermaßen feuersicher ist, da entwickelt der Adventskranz erst seine volle Brandgefahr. Dann ist er strohtrocken, nadelt ein bissle und geht bei der kleinsten Glutberührung ab wie ein Gasbrenner. Harald Pflüger hat in seinen bald 48 Jahren Feuerwehrdienst in Winnenden schon viele Einsätze an Weihnachten gefahren: "Da brennen keine Christbäume", sagt er, "da brennen Adventskränze." Beim Adventskranz komme es darauf an, dass man einen großen Eimer Wasser bereitstehen habe, sagt Pflüger. "Sie glauben gar nicht, wie lange es dauert, wenn es brennt, und Sie erst einen Eimer füllen wollen."

Im Dezember hat der Weihnachtsbaum noch Saft

Aber schön ist, dass der Tannenbaum an Weihnachten noch nicht gleich brennt. Er steht dann einige Tage in der wohlig warmen Weihnachtsstube, duftet dezent nach Wald, und wenn's auf Dreikönig zugeht, dann rechnet der Winnender Feuerwehrkommandant mit den Christbaumbränden. Er musste schon zu einigen ausrücken. "Wenn wir dann kommen müssen, dann sieht der Christbaum anders aus", sagt Pflüger. Es ist nur ein schwarzer Stamm mit kurzen Knubbeln an der Stelle, wo mal Äste waren. Und fast immer ist das ganze Zimmer ausgebrannt."

Auch Elektrokerzen können einen Christbaumbrand auslösen

Pflüger würde trotzdem nicht auf echte Kerzen verzichten. Er hat Bekannte, die haben sich einen künstlichen Baum gekauft für die nächsten zehn Jahre, machen Elektrokerzen drum herum und besorgen sich noch ein Duftspray mit Fichtennadelaroma. Das ist für Pflüger auch nicht ideal. Der Feuerwehrkommandant kennt auch die Brandgefahr durch Elektrokerzen. "Es gibt jetzt so Kerzen, die haben den Trafo direkt am Stamm und die Lichterketten gehen dann auf den Ästen nach außen. Das sieht gut aus." Aber der Trafo erhitzt sich, wenn er lange eingeschaltet bleibt. Die Feuerwehr hat einen Lehrfilm mit einem Trafo am Christbaumstamm. Wer es nicht gesehen hat, kann es nicht fassen: Der Baum fängt Feuer allein aus der Trafohitze. Nach ein paar Sekunden schießt die Flamme hoch und nach 45 Sekunden brennt das ganze Zimmer. Wegen der Elektrokerzen.

Wunderkerzen sind so gefährlich, wie sie aussehen

Am gefährlichsten sind nach Pflügers Erfahrung die Wunderkerzen nach Silvester. Leute biegen die Enden zu Haken, zünden die Wunderkerze an und hängen sie in den Baum. Die Glitzerfunken machen vielleicht nichts. Aber sobald ein Stück Glut vom Stab an den Baum gelangt, wird der zur Fackel.

Pflüger und seine Kameraden haben es mal in Winnenden erlebt. Ein Feuerwehrmann hatte bei sich zu Hause an einem Dreikönigstag zwei brennende Wunderkerzen an den Baum gehängt. Der Baum brannte lichterloh, das Feuer griff auf die Vorhänge über und vom Christbaum blieb nur eine schwarze, knorpelige Stange übrig.

Brand im Advent
  • Vor über 20 Jahren ist Feuerwehrkommandant Pflüger in Winnenden zu einem Brand gerufen worden, bei dem das Feuer nicht zu finden war.
  • Die Feuerwehrleute stürmten in ein verrauchtes Wohnzimmer. Nach langem Suchen schauten sie sich den Fernseher an, der damals üblicherweise ein Röhrengerät war. Der Bildschirm war intakt.
  • Im Holzgehäuse oben entdeckten sie ein Brandloch. Die Leute hatten ein Adventsgesteck auf dem Fernseher, das runtergebrannt war, ein Loch in den Fernseher gebrannt hatte. Dort fiel es durch und kokelte weiter.
Quelle: Winnender Zeitung vom 05.12.2014

Adventskranz: Wenn die Unterlage unbrennbar und ausreichend groß ist, ist die Brandgefahr gering. Bild: BVBF (Winnender Zeitung)


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