Es reicht nicht, Schläuche auszuwerfen

29.09.14 - 20:19 - Daniel Bahner
Jugendfeuerwehr Winnenden hat 50-jähriges Bestehen gefeiert und laut überlegt, wie die Feuerwehr Jugendliche gewinnt
Von unserem Mitarbeiter Wolfgang Gleich

Winnenden. Wohl fand die Feierstunde der Jugendfeuerwehr im Feuerwehrmuseum statt, aber dass Jugendarbeit in der Feuerwehr überhaupt nichts Museales an sich, sondern vor allem mit Zukunftsperspektiven zu tun hat, dies wurde am Freitagabend beim Fest zum 50-jährigen Bestehen auch dem Letzten deutlich.

Und noch etwas wurde offensichtlich: Sollte Oberbürgermeister Hartmuth Holzwarth einmal der Sinn danach stehen, seinen Beruf zu wechseln, als Moderator und Entertainer, stünde ihm die Welt offen. Das Stadtoberhaupt legte souverän seine Meisterprüfung ab, als er kurzfristig als Nothelfer für den erkrankten SWR-Journalisten Stefan Orner einsprang und dessen Part übernahm. Die Festrede hielt dann an Holzwarths Stelle Finanz- und Ordnungsdezernent Jürgen Haas.

Die Jugendfeuerwehr, so Haas, sei gleichzeitig "Nachwuchsschmiede und Motor für die Freiwillige Feuerwehr" und "ein Grundpfeiler der Jugendarbeit hier in Winnenden".

Einen lebendigen Einblick in diese Einrichtung, aus der laut Jugendfeuerwehrwart Daniel Bahner seit 1979 genau 175 Mitglieder in die aktive Wehr übernommen wurden, gab die Talkrunde: Kommandant Harald Pflüger und dessen Vater und Amtsvorgänger Helmut Pflüger blickten zurück auf das Jahr 1964, als zum 1. Januar die Winnender Jugendfeuerwehr mit drei Jugendlichen gegründet wurde. Er selbst, so Harald Pflüger, habe das Feuerwehrvirus wahrscheinlich mit der Muttermilch eingesogen. Als er in der Jugendfeuerwehr war, seien sie damals im Übungsbetrieb mit den "Alten" einfach mitgelaufen. Anschließend seien sie in der großen Runde mit dabeigesessen. "Uns hat man dann halt um zehn Uhr heimgeschickt", so Harald Pflüger, der nachschob: "Wobei wir dann meist aber nicht heim, sondern einfach nur woandershin gegangen sind ..."

Von dem rasanten Aufschwung, den die Jugendfeuer seit Ende der siebziger Jahre genommen hat, erzählten Martin Eichinger, Jugendwart von 1975 bis 1995, und Hermann Hilt. Hilt war übrigens der Erste, der aus der "neuen" Jugendwehr in die aktive übernommen wurde. Er ist den "Floriansjüngern" seit dreißig Jahren treu geblieben. 1979, so Eichinger, bestand die Jugendwehr aus 14 Jugendlichen, 1980 waren es 40.

Zu Ausgehuniform Mutters schwarze Schuhe getragen

Bemerkenswertes schauspielerisches Talent legten Michael Pflüger und Albrecht Schurr an den Tag, die in einem humorigen Sketch ihre fünf Jahre in der Jugendfeuerwehr Revue passieren ließen, der eine in der Arbeits-, der andere in der Ausgehuniform von damals. "Du siehst aus wie eine Presswurst", hielt Schurr seinem Konterpart entgegen, um dann selbst zu gestehen, dass er damals für die Ausgehuniform keine eigenen schwarzen Schuhe hatte und stattdessen auf die seiner Mutter zurückgreifen musste. Und, so gestand er augenzwinkernd, besondere Highlights seien damals die gemeinsamen Übungen mit dem Jugendrotkreuz gewesen, denn dort gab es, was die Feuerwehr nicht aufzuweisen hatte: nämlich Mädchen.

Christoph Heilig und Jürgen Scheunemann, alte Hasen als Jugendgruppenleiter, ließen sich von OB Holzwarth Einblicke in ihre Arbeit entlocken. Von Jugendfeuerwehrwart Daniel Bahner war zu erfahren, dass er die Ausflüge eingeführt habe. Durch Gemeinschaftserlebnisse werden Teamgeist und Kameradschaft gestärkt.

Längst blicke man bei der Jugendfeuerwehr über die Stadtgrenzen hinaus, seit 2009 pflege man intensiv den Kontakt mit anderen Jugendwehren, erzählte Thomas Reichhardt. Denn, so Reichardt, "es reicht längst nicht, einfach nur Schläuche auszuwerfen". Für den Winnender Feuerwehrnachwuchs habe man einen Jugendraum eingerichtet, dort gebe es einen Tischkicker, Billard, man veranstalte 24-Stunden-Feuerwehrtage. Und man nehme regelmäßig an den Schlauchbootrennen in Backnang teil, bei denen 2010 ein spektakulärer Doppelsieg errungen wurde.

Aristoteles widerlegt - aber nur in einer Aussage
  • "Cool bleiben, wenn es brenzlig wird: Dieses Motto der Jugendfeuerwehr in Baden-Württemberg beinhaltet mehr, als süße Katzen von Bäumen zu holen." Katrin Altpeter, Ministerin für Arbeit und Sozialordnung, Familien, Frauen und Senioren des Landes Baden-Württemberg
  • "Jugendfeuerwehr bedeutet nicht nur Nachwuchsarbeit. Es ist Bildungsarbeit. Ein kostenloses Angebot in den Bereichen Technik, Sport und soziale Kompetenz." Thomas Häfele, Feuerwehr-Landesjugendleiter
  • "Für mich ist die Winnender Jugendfeuerwehr ein Glücksfall. Ohne sie wären viele Veranstaltungen auf Kreisebene nicht denkbar." Michael Schladt, Kreisjugendfeuerwehrwart
  • "Meinen Glückwunsch an die Winnender Jugendfeuerwehr. Sie hat die 2300 Jahre alte Aussage von Aristoteles: "Unsere Jugend ist unerträglich, unverantwortlich und entsetzlich anzusehen" eindrucksvoll widerlegt. Andreas Schmidt, Kreisbrandmeister
  • "Wer auch künftig Menschen in der Feuerwehr will, braucht Jugendfeuerwehr. Denn ohne Jugend gibt es keine Zukunft." Georg Spinner, Kreisfeuerwehrverbandsvorsitzender. 
Quelle: Winnender Zeitung vom 29.09.2014
 

Thomas Reichardt und Daniel Bahner diskutieren mit Moderator Hartmut Holzwarth. Bild: Schlegel (Winnender Zeitung)


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Winnender_Zeitung_2014_09_29.pdf