Die Jugendfeuerwehr erinnert mit 54 Bildern an die unvergessenen Momente in ihrer 50-jährigen Geschichte
|
von unserem Redaktionsmitglied Regina Munder
Winnenden. Die Jugendfeuerwehr in Winnenden ist 50 Jahre alt - und mit der Zeit ist das Alter der Zielgruppe kontinuierlich von 16 auf zehn Jahre gesunken. Vor zwei Wochen ist die Enkelin des Stadtbrandmeisters eingetreten. Harald Pflüger selbst arbeitet indes am Aufbau einer Bambini-Gruppe.
Je früher die von der Feuerwehr begeisterten Kinder in die Gruppe geholt werden, desto besser. Nach dieser Devise funktioniert die Jugendfeuerwehr in Winnenden seit 50 Jahren, derzeit sind rund 40 Mädchen und Buben dabei, eine ordentliche Zahl. Einen Boom brachte das Jahr 1980 nach langer Flaute. "Von 14 gingen vier in die aktive Wehr und 36 Neue traten ein", berichtet Martin Eichinger, dass er in der Zeit "das Schaffen gelernt" habe. Er und der Jugendleiter mussten den Führerschein Klasse II machen und sich in Lehrgängen Wissen über die Arbeit mit Jugendlichen aneignen. Die Zahl pendelte sich bei 25 ein, das Eintrittsalter sank von 14 auf zehn Jahre. Wieder nicht ohne Probleme: "Es gibt keine Feuerlöscher, die ein Zehnjähriger tragen kann", sagt Martin Eichinger. Sechs bis zehn Kilo wiegt das Teil, schwer sind auch die Schläuche und Kübelspritzen, mit denen die Kinder üben sollen - und wollen. Dem sinkenden Alter geschuldet hat allerdings eine Delegiertenkonferenz beschlossen, nur noch 50 Prozent Technik zu üben und 50 Prozent aus der allgemeinen Jugendarbeit zu bestreiten.
Beim Mister-X-Spiel in der Stadt übt die Jugendfeuerwehr Funken
"Die Technik zieht die Jugendlichen an. Sie erwarten nicht primär, Spiele zu machen, sondern sie wollen lernen, was die Feuerwehrleute machen", sagt Christoph Heilig über die Faszination am Freiwilligendienst. Gleichwohl läuft vieles spielerisch ab, so üben die Winnender zum Beispiel das Funken, indem sie das Brettspiel "Mister X" auf ein Versteck- und Suchspiel in der Stadt übertragen.
Bis zum Übertritt in die Aktivenwehr erhalten die Jugendfeuerwehrler Grundlagen für die Grundausbildung. Die Übertrittsquote lässt sich sehen: "70 bis 80 Prozent gehen in den aktiven Dienst. Wenn nicht bei uns, dann oft nach Studium oder Ausbildung am neuen Wohnort", weiß Harald Pflüger. Und so geht landesweit das Konzept zur Nachwuchsgewinnung auf. Pflüger sucht dennoch derzeit Frauen, die nachmittags in einer Bambini-Gruppe das Begeisterungsfeuer der Kleinen am Lodern halten - allerdings ohne technische Elemente. Die sollen den Älteren vorbehalten bleiben. Wettbewerbe, Leistungsabzeichen, Orientierungsfahrten und Übungen motivieren sie zusätzlich. Seit ein paar Jahren gibt es gemeinsame Übungen mit den Jugendfeuerwehren Schwaikheim und Berglen, wodurch sich die Jugendlichen vernetzen und die Jugendleiter austauschen können.
54 Bilder erinnern an die vielen guten Aktionen
Solche Aktionen sorgen auch für unvergessliche Momente, festgehalten in 54 Bildern aus 50 Jahren, die zurzeit im Feuerwehrmuseum ausgestellt sind. "Jürgen Scheunemann und Bernhard Richter haben sie herausgesucht", freut sich Daniel Bahner über Fotos von der "Leistungsspange" und der "Jugendflamme", vom Schlauchboot- und vom Seifenkistenrennen. Vieles dient nicht nur dem Spaß oder dem Sport, sondern auch der Teambildung: "Ob 24-Stunden-Tag oder Sommerolympiade - immer sind Aufgaben dabei, die außer Geschicklichkeit Teamgeist erfordern", spricht Bahner die wichtigste Eigenschaft eines Feuerwehrmanns an.
Früher Zeltlager und bis heute Ausflüge gehören auch zur Jugendfeuerwehr. "Für mich als Jugendlicher war Nürnberg legendär", erinnert sich Bahner an das Technikmuseum. "Da waren einige Rabauken, die ein bisschen arg rumgebastelt haben bei den Versuchen", meint Christoph Heilig. Für viele unvergessen sind auch die Ausflüge zur Flughafenfeuerwehr München-Riem, zum Fliegerhorst Memmingen oder zur Daimler-Werksfeuerwehr mit Einblicken, die nicht jeder erhält.
@ Bilder auf zvw.de
1964 gegründet, 1979 reanimiert
- Gegründet wurde die Winnender Jugendfeuerwehr 1964 und wurde von Helmut Pflüger geleitet. Drei Jahre später war der Zuspruch gering, die Jugend lief bei den Aktiven mit. Jugendfeuerwehrwart Martin Eichinger reanimierte die Gruppe von 1979 an.
- 1995 übernahm Christoph Heilig die Leitung bis 2004, zwei Jahre zeichnete Daniel Krohm verantwortlich, seit 2008 leitet Daniel Bahner die Jugendfeuerwehr. Seit 1997 ist Thomas Reichardt Stellvertreter.
- Bisherige Jubiläumsaktionen: Apfelschorle, Grundschul-Malwettbewerb, Spielstraße beim Fest der Abteilung Buchenbach, Schauübung beim Fest der Abteilung Hanweiler.
- Ein Festakt zum 50-jährigen Bestehen mit bis zu 200 Gästen findet am Freitag, 26. September, 19 Uhr, im Feuerwehrmuseum statt. Am nächsten Tag, Samstag, 27. September, versammeln sich rund 220 Delegierte der Jugendfeuerwehren von Baden-Württemberg. Sie dürfen das dann soeben eröffnete Kärcher-Auditorium auf der anderen Seite der Gleise nutzen und hören einen Vortrag über die aktuellen Anforderungen in der Jugendarbeit.
- Parallel dazu können die Jugendlichen der Jugendfeuerwehr im Museum drei verschiedene Workshops besuchen. Die gesamte Zeit ist das Museum zur Besichtigung geöffnet, die Betreiber erhoffen sich einen Werbeeffekt bei den Kollegen aus allen Landesteilen.
Quelle: Winnender Zeitung vom 01.09.2014
|
|
 Bilder aus 50 Jahren Jugendfeuerwehr sind im Feuerwehrmuseum und auf zvw.de zu sehen. Von links Jugendfeuerwehrwart Daniel Bahner, Stadtbrandmeister Harald Pflüger und die ehemaligen Jugendfeuerwehrwarte Christoph Heilig und Martin Eichinger. Foto: Büttner (Winnender Zeitung)  1981 bei der Verleihung der bestandenen Leistungsspangen-Prüfung. Foto: Privat  Beim Schlauchbootrennen wurde die Winnender Jugendfeuerwehr 1991 Sieger. Foto: Privat |
|