Schauübung zum 50-jährigen Bestehen der Jugendwehr und zum 125-Jahre-Jubiläum der Abteilung Hanweiler
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Von unserer Mitarbeiterin Heidrun Gehrke
Winnenden. Rufe dringen aus dem Alten Rathaus, Menschen strömen auf die Straße und schauen. Der Uhrturm ist von weißem Rauch umhüllt. "Hilfe, Feuerwehr", rufen Kinderstimmen. Zum Glück ist alles nur gespielt. Die Jugendfeuerwehr hat aus Anlass ihres 50er-Jubiläums und im Rahmen der 125-Jahre-Feier der Feuerwehrabteilung Hanweiler für den Ernstfall geprobt.
Die wollen nur üben: 20 Jugendfeuerwehrleute, geleitet von Stadtjugendfeuerwehrwart Daniel Bahner, proben Brandbekämpfung und Menschenrettung. Bahner erkundet die Lage, schaut, wo die Gefahrenpunkte sind, an denen er die Feuerwehrkräfte einteilt. Im Übungsobjekt, dem alten Rathaus in der Ortsmitte, brennt es. Menschen, die in den Flammen und im Rauch eingeschlossen sind, können nur teilweise über das Treppenhaus ins Freie gebracht werden.
Ein Fall für die Drehleiter, die kurz nach Eintreffen des Einsatzleitwagens anrückt und sich in Position bringt. In Position bringen sich auch viele Zuschauer - darunter auch Kinder -, die Feuerwehrausrüstung mal ganz aus der Nähe sehen wollen. "Die Jugendlichen haben gerade gefragt, ob sie auch hupen dürfen", erzählt am Rande Feuerwehrkommandant Harald Pflüger, der die Übung moderiert. Natürlich dürfen sie die Hupe betätigen, das laute Einsatzsignal gehört ja schließlich zur Feuerwehr.
Zusammen mit dem Einsatzleitwagen, einem Staffellöschfahrzeug der Abteilung Stadtmitte und einem Löschfahrzeug der Abteilung Buchenbach haben vier rote Feuerwehrfahrzeuge das historische Gebäude mit dem Turm umstellt. Dann geht alles wie am Schnürchen: Die Wasserverbindung über einen Hydrant in etwa 50 Metern Entfernung steht, "Atemschutzträger" mit Ausrüstungs-Attrappen dringen in das Gebäude vor. Die Drehleiter fährt den Arm aus. Zwei Feuerwehrmänner aus der aktiven Wehr nähern sich dem offenen Fenster im ersten Stock und helfen einem dort wartenden Mädchen in den rettenden Korb, der sie in einer halbminütigen Schwebefahrt sicher zu Boden bringt.
Mit einem Lüfter wird der Rauch rausgeblasen
Einige Zuschauer suchen noch die beste Perspektive. "Von hier aus siehst du, wie sie sie rausholen", sagt ein Vater und läuft mit dem Sohnemann neben das Drehleiterfahrzeug, das ein zweites Kind befördert. An allen Fahrzeugen zucken Blaulichter, werfen bläuliche Schatten an eine Hauswand oder in das eine oder andere Gesicht. Neben dem Rattern der Motoren wird ein Rauschen hörbar: mit einem Lüftungsgerät blasen die Feuerwehrleute den Rauch aus dem Gebäude, damit sie bessere Sicht haben. Das ist Feuerwehr pur: wenn an allen Ecken Geräte, Technik, Menschen in Schutzkleidung und Autos mit großen Rädern zu sehen sind.
Die großen Räder haben Kinder auch gemalt. Beim Malwettbewerb, zu dem die Abteilung aufgerufen hat, haben Grundschulkinder über 200 Bilder eingereicht. Auf einigen Bildern, die beim Fest ausgestellt sind, sind große Reifen zu sehen - aus Kinderperspektive haben Feuerwehrfahrzeuge eben sehr große Reifen.
Groß raus kommen bei den Kindern auch die Feuerwehrleute selbst, die sie mit Helmen und Schläuchen in Aktion malen - als Vorbilder könnten ihnen die engagiert zupackenden Jugendfeuerwehrleute gedient haben. Zwei junge Einsatzkräfte tragen eine weitere verletzte Person auf einer Liege zum Verletztenplatz, wo Petra Fleischer, die stellvertretende Bereitschaftsleiterin des DRK-Ortsvereins, und Kollegen "leichtere Verletzungen" zu versorgen haben.
Mitten in die Übung platzt Regen hinein. Daniel Bahner bricht frühzeitig ab, die Jugendlichen packen zusammen, die Erwachsenen wandern ins Trockene, unter Regenschirme und ins Festzelt. "Bei schönem Wetter kann jeder feiern, wir haben ein schönes Regenfest", findet Abteilungskommandant Hartmut Widmann aufbauende Worte.
In seinem Grußwort kommt er auf den Wendepunkt zu sprechen, vor dem die Abteilung Hanweiler nach der Eingemeindung 1972 zum zweiten Mal in der Geschichte steht. Ab 2016 werden die Feuerwehraktiven zusammen mit Kollegen aus Breuningsweiler und der Abteilung Stadtmitte den Feuerwehrdienst tun. Für den Feuerwehrnachwuchs wird in Winnenden schon seit 50 Jahren viel getan. Beide Jubiläen zu verbinden durch die Schauübung der Jugend, findet Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth eine "tolle Idee".
Feuerlöschordnung aus dem Jahr 1887
- Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth zitiert beim Fest einen Satz aus der Lokalfeuerlöschordnung des Gründungsjahrs der Hanweiler Abteilung 1887: „Im Falle eines Brandes im Orte selbst oder in der Umgebung das Land und Eigentum der Bewohner schützen sowie auch bei einem Brand in den benachbarten Waldungen Hilfe zu leisten.“
- Diese Aufgabe sei bis heute „brandaktuell“, so Holzwarth, der ebenfalls die Zukunft in den Blick nimmt. Ziel in Winnenden sei die Zusammenfassung in drei Feuerwehrstandorte. Nach den Abteilungen Kernstadt und Buchenbach wird das Feuerwehrhaus Zipfelbach folgen, in dem vier Einsatzfahrzeuge stationiert und 80 Feuerwehrleute im Einsatz sein werden.
Weitere Bilder der Übung in der Bildergalerie des Zeitungsverlag Waiblingen.
Quelle: Winnender Zeitung vom 04.08.2014
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 Spektakulärer Höhepunkt bei den Übungen ist immer, wenn die Drehleiter zum Einsatz kommt. Bild: Steinemann (Winnender Zeitung) |
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