Schräger Roman mit depressivem Vogel

25.08.14 - 17:36 - Martin Frank
Die Vorleser von „Winnenden liest“, Teil 4: Daniel Bahner, Jugendfeuerwehrwart
Von unserem Redaktionsmitglied Regina Munder

Winnenden-Hertmannsweiler. Daniel Bahner mag schräge Bücher. Der Jugendfeuerwehrwart hat für „Winnenden liest“ am 4. September eine skurrile Mischung aus Mafia-Thriller, Familiengeschichte und schwarzer Komödie entdeckt. Das Werk eines russischen Autors erschien erstmals 1999 auf Deutsch und entpuppte sich als Liebling der Literaturkritiker.

„Das Buch ist nett geschrieben und ist durch viele Dialoge lebendig. Und auch nicht zu harter Tobak“, sagt der 27-jährige Daniel Bahner über die Geschichte vom sympathischen Lebenskünstler, der als Job Zeitungsnachrufe schreibt und als Haustier einen ehemaligen, depressiven Zoo-Pinguin hält. Daniel Bahner bezeichnet sich selbst nicht als „Monster-Leseratte“. Das hat mehrere Gründe: „Lesen ist für mich eine Winterdisziplin, da sitze ich schon mal mit einem Buch auf die Couch.“

Bahner liest ein Buch eines Autors mit abenteuerlichem Lebenslauf

Im Sommer locken viele weitere Beschäftigungen, neben dem ganzjährigen Amt des Jugendfeuerwehrwarts und dem Aktiven-Training bei der Feuerwehr: Radfahren und Joggen, Modellbau und Webseiten programmieren. Und außerdem hat Daniel Bahner, der gelernte Mechatroniker, vier Jahre lang neben der Arbeit bei Stihl her an der Abendschule seinen Maschinenbau-Techniker gemacht. „Da musste ich Fachbücher wälzen statt Romane.“

Doch wenn er liest, dann gerne leicht verrückte, aber gut geschriebene Geschichten wie die des russischen Autors, dessen Name noch nicht verraten wird. Der Lebenslauf des Mannes, der sich im Internet findet, klingt ähnlich abenteuerlich wie sein Roman: „1961 in St. Petersburg geboren, lebt seit seiner Kindheit in Kiew. Er studierte Fremdsprachen (er spricht insgesamt elf Sprachen), arbeitete als Redakteur, Gefängniswärter, Kameramann und schrieb zahlreiche Drehbücher. Seit 1996 lebt er als freier Schriftsteller in Kiew und London“ – so weit der Steckbrief.

Von den Büchern aus seiner Jugend trennt er sich nicht

Daniel Bahner ist in Stuttgart-Bad Cannstatt aufgewachsen, „in der Kursaalecke: schöne Parks, viele Spielplätze, aber viel unpersönlicher als hier in Winnenden“, sagt er. 1999 zogen seine Eltern mit ihm und dem jüngeren Bruder her. Die Kinderbücher, auch die nicht mehr angesagten, zogen mit. Inzwischen sind die meisten bei Daniel Bahner in Kisten im Hertmannsweiler Keller oder bei seinem Bruder. „Von den Büchern aus meiner Jugend kann ich mich nicht trennen.“

Als Kind hat er viel gelesen, „es gab auch nur drei Fernsehprogramme“, meint er. An „Schnüpperle“-Geschichten erinnert er sich noch gut. „Sie sind immer noch bekannt und gefragt.“ Später kamen die Harry-Potter-Romane dazu „und andere Klassiker“.

Nun ist Daniel Bahner einer der fünf in Winnenden bekannten Vorleser, die ihr Lieblingsbuch am 4. September vorstellen. Wird er da ein bisschen nervös? „Nein, ich muss ja regelmäßig den drei Jugendleitern die neuesten Infos zukommen lassen und bei den Feuerwehrhauptversammlungen berichten.“ Da ist er Publikum gewöhnt.

Mit den Jugendleitern zusammen überlegt er sich das Programm für die rund 38 Jugendlichen in der Nachwuchsabteilung. Es stehen allein 20 Übungen an und ein Ausflug, der aber dieses Jahr zugunsten der Aktionen zum 50-Jahr-Jubiläum ausfällt. „Stattdessen machen wir einen fetzigeren 24-Stunden-Tag, so lautet der Deal mit den Jugendlichen.“ Daniel Bahner trat selbst 2001 in die Jugendfeuerwehr ein und wechselte 2005 in den aktiven Dienst. Kurz war er Jugendleiter, dann bald Jugendfeuerwehrwart.

Quelle: Winnender Zeitung vom 25.08.2014

Lesen auf der Couch zu Hause ist für Daniel Bahner, Jugendfeuerwehrwart und Maschinenbau-Techniker, eine Winterdisziplin. Foto: Schneider (Winnender Zeitung)


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