... dann könnte die Winnender Feuerwehr auf 800 Einsatzpläne für 800 mögliche Brandorte zurückgreifen
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Winnenden. Wofür brauchen wir die Feuerwehr? Zum Löschen, ganz einfach. Und wenn es in der schönen, großen, weit verzweigten neuen Klinik brennen würde? Dann brauchen wir eine Feuerwehr, die das Krankenhaus und die Einsatzwege kennt. Nie zuvor hatte die Winnender Wehr eine so komplexe Aufgabe. Aber sie ist vorbereitet.
Stadtbrandmeister Harald Pflüger betritt das Klinikum, als wär’s seine frühere Schule. Vertraut sind ihm Flure, Treppenhäuser und Menschen. Am Empfang sagt er kurz Hallo, holt seinen Generalschlüssel aus dem Tresor. Die Freiwillige Feuerwehr von Winnenden und mit ihr die Schwaikheimer und die Leutenbacher Wehr sowie Kreisbrandmeister Andreas Schmidt sind fast Teil des Klinikpersonals. Pflüger überlegt keine Sekunde. Er weiß, wie ein Einsatz im Klinikum begänne.
Wenn einer der 5000 Rauchmelder losgeht, beginnt ein Einsatz
Die Szenerie: Irgendwo im Klinikum ist einer der rund 5000 Rauchmelder losgegangen. Der Alarm geht bei der Feuerwehr ein. Der erste Löschzug vom Feuerwehrhaus Mitte fährt zum Haupteingang der Klinik. Der Einsatzleiter geht rein ins Foyer, holt sich den Generalschlüssel aus einem Tresor, geht in eine kleine, fensterlose Zelle und steht vor dem Schaltplan der Rauchmelder. Eine sechsstellige Zahl auf dem Display leuchtet auf, die Nummer des Rauchmelders. Pflüger greift ins Regal der zehn Aktenordner und holt sich den Plan Nummer 602534 heraus, einen von 800 Einsatzplänen für 800 mögliche Brandstellen. Der Einsatzleiter rennt durchs Treppenhaus zum angezeigten Brandort. Wenn es wirklich brennt, greifen zwei Löschzüge nach Plan das Feuer an.
Der erste Löschzug fährt zum Haupteingang. Feuerwehrleute tragen Schläuche und Geräte übers Haupttreppenhaus zum Brandort. Der zweite Löschzug fährt auf einem Feuerwehrweg ums Klinikum herum, findet unter 32 Eingängen genau den, der dem Brandort am nächsten liegt, und geht über ein Nebentreppenhaus hoch. Oben sind Hydranten, die das Wasser liefern. Aber das ist nur ein Teil der Arbeit: das Löschen. Der andere Teil ist Technik, Technik, Technik. Feuerschutztüren schließen automatisch rauchdicht. Das Klinikum teilt sich auf in Rauchabschnitte. Es ist viel gewonnen, wenn nur ein Stockwerk und darauf nur ein Abschnitt mit vielleicht zehn Patientenzimmern vom Rauch geschädigt wird. Und für Patienten ist es das Beste, wenn sie in rauchfreien Zonen im Klinikum bleiben können und nicht evakuiert werden müssen. Feuerwehrleute dichten Türen ab, hängen Rauchschutzvorhänge auf, schützen Patienten gegen Rauch und holen sie in rauchfreie Abschnitte. Im Treppenhaus ganz unten im Keller setzt sich ein meterdicker Ventilator in Gang. Er bläst Frischluft rein, macht Überdruck im Treppenhaus, damit kein Rauch vom Brandort reinkommt.
Türen, die immer offen stehen, schließen sich bei Alarm
Der Stadtbrandmeister kennt alle Mechanismen und Automatismen, hat den Aktenordner mit der ganzen Brandschutztechnik gelesen und schier auswendig gelernt. Klinikbesucher und Patienten merken gar nichts davon. Türen in Fluren können im Glücksfall jahrelang offen stehen. Erst wenn ein Rauchmelder losgeht, schließen sie sich automatisch. Der Kreisbrandmeister blickt zur hohen Decke im Foyer: „Das ist natürlich schön, wenn man so eine Magistrale hat. Aber da musste man was tun für den Brandfall.“ Die Magistrale hat eine gute Verteilerfunktion für Krankenhausmitarbeiter, die Patienten, die Besucher – aber leider auch für den Rauch, wenn er mal aufkommt. Sprenkleranlagen im ganzen Foyer sind einsatzbereit. Ausfahrbare Trennwände können die Magistrale unterteilen.
Luft und Wasser kommen aus dem Kellerlabyrinth der Klinik
Die Luftzufuhr, der Überdruck im Brandfall, das Wasser für die Sprinklerdüsen – das alles kommt aus dem Keller des Klinikums. Pflüger geht zielgerichtet runter, spaziert zwischen Leitungen und Rohren durch Flure, von denen einer wie der andere aussieht, zeigt auf Armaturen, und dann stehen wir vor einem roten Tank, so groß wie ein 30-Tonner-Tankwagen. „Das ist nur der Puffertank. Die großen Wassertanks sind draußen unter der Erde.“ Einmal 500 000 und einmal 220 000 Liter liegen dort bereit, sagt Pflüger. Gut, dass sie da sind.
Gut ist aber auch, dass die 5000 vernetzten Rauchmelder im Klinikum seit Freitag scharf geschaltet sind, und dass bis Montagabend noch kein Einziger einen Fehlalarm ausgelöst hat. Das findet Harald Pflüger schon beachtlich.
Quelle: Winnender Zeitung vom 22.07.2014
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 Bereitschaft beim Klinikum: Solche Schlauchkörbe tragen Feuerwehrleute im Ernstfall durchs Treppenhaus zum Brandort im Klinikum. (Bild: ZVW)  Mit Andreas Knapp (Mitte) trainierten Feuerwehrleute am Samstag Einsatzwege im Klinikum, während sie ohnehin als Notfallbereitschaft beim Patientenumzug präsent waren. (Bild: ZVW) |
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