„Unser Hobby ist nicht planbar“

11.12.13 - 20:37 - Martin Frank
Die Freiwillige Feuerwehr Waiblingen über ihre Einsätze bei Bränden, die Vorbereitung und das Aufräumen hinterher
Waiblingen. Wenn ein Notruf bei der Waiblinger Feuerwehr eingeht, ist sie innerhalb zehn Minuten am Einsatzort. Damit bei den Löscharbeiten alles glatt geht, muss das Material geprüft werden. Weshalb Mitarbeiter Stunden im Technikraum verbringen, um Schläuche und Masken zu prüfen. Dabei gilt die Arbeit der Wehr nur als Hobby, Mitglieder machen alles ehrenamtlich.

„Abergläubisch bin ich eigentlich nicht, aber nach der Häufigkeit der Einsätze könnte man gerade meinen, dass es in diesem Jahr etwas mit der Zahl 13 zu tun hat“, sagt der stellvertretende Feuerwehrkommandant Jürgen Aldinger. Allein in diesem Jahr gab es vier große Brände in Waiblingen: Angefangen mit dem Hochhausbrand in der Friedrich-Schofer-Straße im April, wobei eine Wohnung komplett ausbrannte. Die Bewohnerin und ihr Besucher haben sich damals teils schwere Brandverletzungen zugezogen. Vor etwa einem Monat hat ein Wohnhaus in der Friedrich-Schofer-Straße gebrannt, bei dem zwei Menschen ums Leben kamen.

Ende November brannte eine Lagerhalle in Hegnach, wobei die Feuerwehr verhinderte, dass die Flammen auf ein Wohnhaus sowie die umliegenden Unternehmen übergreifen. Nur drei Tage später brannte es in einem Internatsgebäude des Berufsbildungswerks Waiblingen. Dabei sprang eine 23-Jährige aus dem Fenster, um Hilfe zu holen und zog sich dabei leichte Verletzungen zu. Die blinden Feueralarme oder technische Einsätze, weshalb die Feuerwehr ausrückt, kommen noch hinzu. „Allein was die Dramatik der Einsätze betrifft, waren die Brände in diesem Jahr außergewöhnlich“, sagt Jürgen Aldinger.

Am Einsatzort geht alles sehr schnell. Schläuche werden ausgerollt. Wasserleitungen gelegt. „Man entwickelt mit der Zeit einen Automatismus“, sagt Kommandant Jochen Wolf. Denn die Gefahr sei, dass man Fehler macht, wenn der Stress zu groß ist.

Mittlerweile gibt es ein Abkommen mit den Mitarbeitern der Stadt, dass sie tagsüber bei Einsätzen mit der Waiblinger Wehr ausrücken. Einige von ihnen stammen vom Betriebshof. „Die Zusammenarbeit ist dadurch super“, sagt Jochen Wolf. Wenn bei einem Einsatz zusätzliche Geräte vom Betriebshof gebraucht werden, können diese die Mitarbeiter ohne weiteres beziehen. „Das läuft ganz unkompliziert ab.“

Wenn die Wehr ausrückt, muss die Wache für den Fall eines zweiten Einsatzes besetzt werden. Während den Löscharbeiten in Hegnach war deshalb ein Feuerwehrfahrzeug mit Besatzung aus Bittenfeld in der Waiblinger Wache.

Knapp 150 Atemschutzmasken müssen geprüft werden

Nach einem Einsatz kommt auf die Ehrenamtlichen noch einiges an Arbeit zu. Das Material muss so schnell wie möglich wieder einsatzbereit gemacht werden. Nur wenige Stunden nach den beiden Bränden von Hegnach und dem Berufsbildungswerk steht Gerätewart Ulrich Aldinger in einem Technikraum des Feuerwehrhauses.

Einem Plastikkopf setzt er eine Atemschutzmaske nach der anderen auf. In die Masken ist eine empfindliche Membran eingebaut. Auf zehn Millibar wird die Maske unter Druck gesetzt. Dann darf sie nur ein Millibar Abweichung haben, bei jedem anderen Wert wird sie ausrangiert. „Im Einsatz ist das wie bei Tauchern die Nabelschnur zur Luft“, sagt Jochen Wolf. Die geprüfte Maske kommt in eine Tüte. Jede Maske hat einen Barcode. „Damit wird der Lebenslauf zu jedem Gerät festgehalten“, erklärt Ulrich Aldinger. Ende November liegen rund 115 benutzte Masken aus dem Einsatz in Hegnach und rund 30 von den Löscharbeiten im Berufsbildungswerk Waiblingen zur Wartung bereit. Ebenso wird jeder Schlauch gewaschen und geprüft. Mittlerweile geht das in einer Anlage. „Dass die Schläuche im Feuerwehrturm aufgehängt werden, ist längst nicht mehr so“, so Wolf. Dafür steht ein großer Plexiglaskasten im Feuerwehrgerätehaus, eine Schlauchwaschanlage, die sie gleichzeitig auf ihre Standhaftigkeit testet.

Martin Mülleder arbeitet hauptberuflich im Betriebshof, wurde aber nach den beiden Großeinsätzen von seinem Chef freigestellt. Gerade bedient er die Schlauchwaschanlage.„Acht Minuten benötigen die kürzeren, rund zehn Minuten die längeren Schläuche“, erklärt Jochen Wolf. Manche Löschschläuche zerreißt es in der Maschine, weil sie dem Druck nicht standhalten. „Das ist ganz normal“, sagt Jochen Wolf. Ausrangierte werden beispielsweise der Wilhelma vermacht. Eine Studentin möchte aus ihnen Möbel entwickeln. Und dann ist nach einem Brand noch eine Menge Verwaltungskram zu erledigen. Allein für Hegnach zieht Jochen Wolf einen Ordner aus dem Regal.

Wenn die Feuerwehr Waiblingen zu einem Einsatz gerufen wird, bedeutet das für die Feuerwehrmänner und auch Frauen, dass sie von ihrem Arbeitsplatz wegspringen müssen, was den Arbeitgebern eine große Portion Toleranz abverlangt. „Bei einem Einsatz ist kein Geld verdient“, sagt Jürgen Aldinger. Nach einem Einsatz kehren sie oft zurück zur Arbeitsstelle – manchmal sei es eine Herausforderung, den Schalter einfach umzulegen. „Unser Hobby ist eben nicht planbar“, bringt es Jürgen Aldinger mit einem Grinsen auf den Punkt.

Gerätewart Ulrich Aldinger prüft nach einem Einsatz alle benutzten Atemschutzmasken.

Feuerwehrmann Martin Mülleder wurde von seiner eigentlichen Arbeit auf dem Betriebshof befreit, um die Schläuche wieder einsatzbereit zu machen.

Quelle: Winnender Zeitung vom 10.12.2013

Feuerwehrmann Martin Mülleder wurde von seiner eigentlichen Arbeit auf dem Betriebshof befreit, um die Schläuche wieder einsatzbereit zu machen. (Bild: ZVW; Büttner)

Gerätewart Ulrich Aldinger prüft nach einem Einsatz alle benutzten Atemschutzmasken. (Bild: ZVW; Büttner)