Geschäftsführer Jürgen Winter ist verzweifelt / War das nur die zweite in einer ganzen Reihe von Überflutungen?
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Von unseren Redaktionsmitgliedern Nils Graefe, Jörg Nolle, Martin Winterling
Winnenden. Erneut ist es zu einem großen Wasserschaden im Klinik-Neubau in Winnenden gekommen, diesmal im Untergeschoss, unter der Magistrale. „Es ist wohl dasselbe passiert wie das erste Mal, nur an anderer Stelle, mit einem größeren Durchmesser, mit mehr Druck und mit mehr Wasser“, sagte Kliniken-Geschäftsführer Jürgen Winter. Eine Wasserleitungsverankerung habe sich gelöst, ähnlich wie Anfang November. Der Schaden sei noch nicht absehbar.
„Wenn Sie da ins Untergeschoss kommen, den langen Flur sehen, auf dem Boden das spiegelnde Wasser, und von der Decke trieft und tropft es überall, das ist schon frustrierend“, sagte Jürgen Winter bei einem kurzen Telefongespräch. Für Presse und Öffentlichkeit war die Klinik-Baustelle gesperrt. Den ganzen Mittwochnachmittag bis in den Abend hinein war Jürgen Winter vor Ort. Rund einen Zentimeter habe das Wasser im Hauptverbindungsflur und in angrenzenden Räumen im Untergeschoss gestanden.
Deshalb: Großeinsatz für die Feuerwehr Winnenden ab circa 13 Uhr (siehe „Der Einsatz aus Sicht der Feuerwehr“). Und natürlich musste nicht nur der Strom abgestellt, das Wasser vom Boden gepumpt, sondern mussten auch die Brandschutzdecken im Untergeschoss aufgemacht werden. „Da kam dann immer ein Schwall Wasser von oben runter“, so Winter. „Da befällt Sie schon tiefe Verzweiflung, wenn Sie das alles mit ansehen müssen.“ Noch sei unklar, wo überall Wasser hingelaufen sei und von wo (mehrere Quellen?) es gekommen sei.
Im Untergeschoss befinden sich laut Klinikensprecher Jan-Lennart Loeffler zum Beispiel die Küche, die Umkleiden für die Mitarbeiter, die Technik-Zentrale und das IT-Rechenzentrum, die Apotheke, das Labor und die Prosektur/Pathologie für Verstorbene. „Nach ersten Erkenntnissen sind diese Bereiche aber nicht von Wasserschäden betroffen“, so Loeffler.
Derzeit wird eine Schadensaufnahme durchgeführt. Der Bausachverständige der Rems-Murr-Kliniken und Versicherungsvertreter waren am Mittwoch schon vor Ort verabredet und konnten sich deshalb ebenfalls sofort ein grobes Bild von der Lage machen, sagte Jürgen Winter. Auch Landrat Johannes Fuchs schaute vorbei, war aber nicht zu einer ersten Stellungnahme zu bewegen, weil noch zu viele Unklarheiten bestünden.
Angaben zu Schadensumfang und Schadenshöhe könnten derzeit noch nicht gemacht werden. Die Rems-Murr-Kliniken wollen „zeitnah weitere Informationen zu diesem erneuten Schadensereignis geben“, wohl im Laufe des heutigen Donnerstags, teilte Jan-Lennart Loeffler mit. Dann werde auch eine Spezialfirma das Restwasser absaugen und es würden diffizile Überprüfungen anlaufen.
Beim Wassereinbruch Anfang November waren außer der Ebene 5 auch einzelne Räume der Stationen auf den Ebenen 2 bis 4 betroffen sowie Teile des Zentral-OP auf Ebene 1. Dort seien außer zwei OP-Sälen auch Flure und Versorgungsräume durch Wassereinbruch in Mitleidenschaft gezogen worden, hieß es. Der Inhalt eines kleinen Schwimmbeckens, etwa 400 Badewannen, genauer 70 000 bis 100 000 Liter, hatten sich damals schon über fünf Etagen ergossen.
„Am besten ab jetzt immer nur mit Dienst-Gummistiefeln“
Die damalige Schadensursache: Ein Warmwasserrohr hatte sich aus einer Muffe gelöst. „Pressfitting System“ nennt sich die kostensparende Methode, Edelstahlrohre miteinander zu verbinden. Pressfittings seien sicher und einfach zu bedienen, werben die Anbieter solcher Systeme. Wenn allerdings die Verbindungen schlecht oder kurz verpresst sind, dann kann das Rohr schlagartig aus der Muffe rutschen. So wie Anfang November im Klinikum Winnenden. So wie Ende September auf der Baustelle des Olgahospitals und der Frauenklinik in Stuttgart. So auch am vergangenen Mittwoch erneut in Winnenden? Womöglich.
Die erste offizielle Mitteilung dazu lautete: „Schadensursache ist wahrscheinlich eine aus der Verankerung gelöste Kaltwasserleitung im Durchmesser von 64 Millimetern, aus der in erheblichem Umfang Wasser ausgetreten ist.“
Die Frage, ob nun ständig neue Wasserrohr-„Schwachstellen“ zu erwarten sind, wollte Jürgen Winter nicht beantworten. Nur ein bitterer Sarkasmus war ihm zu entlocken: „Am besten packe ich ab jetzt immer meine Dienst-Gummistiefel mit ein. So nach dem Motto, habe ich einen Regenschirm dabei, dann regnet’s nicht.“
Schon nach dem ersten Wassereinbruch Anfang November hatten wir berichtet, dass die neuerliche, durch den Wasserschaden ausgelöste Verschiebung des Umzugs ins neue Krankenhaus teuer werde. Denn die defizitären Krankenhäuser in Waiblingen und Backnang müssen jetzt noch länger betrieben werden. Für 2014 hatte die auf Januar verschobene Eröffnung bereits zu einem Jahres-Minus von voraussichtlich gut 16 Millionen Euro geführt.
Ursprünglich sollte das neue Krankenhaus 266 Millionen Euro kosten. Inzwischen ging der Krankenhausträger, der Landkreis Rems-Murr, von 289 Millionen Euro aus. Sehr wahrscheinlich werden die Kosten seit Mittwoch erneut steigen und das Rems-Murr-Klinikum in Winnenden wird noch später bezogen.
Einst war von einem Umzug zur Jahreswende 2012/13 die Rede gewesen. Doch das undichte Fundament des Neubaus („Weiße Wanne“) machte einen dicken Strich durch die Pläne. So hieß es erst Frühjahr 2013, dann Herbst und seit September galt der Umzugstermin 24./25. Januar 2014.
Doch nach dem Wasserschaden von Anfang November bekannte Jürgen Winter: „Den Umzugstermin im Januar werden wir voraussichtlich nicht halten können. Das ist für alle Beteiligten sehr enttäuschend.“
Der eine Wasserschadensfall im Neubau des Olgakrankenhauses und der Frauenklinik in Stuttgart auf dem Gelände des Stuttgarter Katharinenhospitals hat den dortigen Umzug übrigens um mehr als ein halbes Jahr verzögert.
In Winnenden gibt’s jetzt nunmehr zwei solche Wasserschadensfälle.
Quelle: Winnender Zeitung vom 28.11.2013
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 Die Feuerwehr Winnenden war bis in den Mittwochabend hinein beschäftigt, Wasser aus dem Untergeschoss abzupumpen. Bild: ZVW |
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