Drittes Feuerwehrhaus: Kostenalarm

01.10.13 - 14:31 - Florian Claß
Gemeinderat war eingestimmt auf 1,9 Millionen Euro – Architekt sagt jetzt: 4,3 Millionen Euro
Winnenden. Noch klafft kein Baggerloch fürs dritte Winnender Feuerwehrhaus, aber Kostenblöcke wachsen in ungeahnte Höhen: 4,3 Millionen Euro soll dieses Gebäude zwischen Wunnebad und Kreisklinik kosten. Gemeinderäte erschraken über diesen Millionenbetrag. Sie waren auf 1,9 Millionen eingestimmt.

Erst vor wenigen Jahren hat Winnenden das Feuerwehrhaus am Buchenbach gebaut. Es passt. Und es hat so um die 2 Millionen Euro gekostet. Da müsste doch ...

Aber nichts ist so, wie es war. Diesmal plant das Büro „3 Architekten“ aus Stuttgart. Dessen Mitinhaber, Architekt Haag, stellte die Pläne und die Kostenaufstellung vor, und nach langer Debatte genehmigte der Gemeinderat mehrheitlich diese Pläne.


Das Sumpfgelände und der Turm treiben die Kosten hoch

Im dritten Feuerwehrhaus ist manches anders. Endlich kommt auch der Feuerwehrturm, den man beim Buchenbach-Haus noch eingespart hat und an dem die Feuerwehr regelmäßig die Menschenrettung üben soll. Bauamtsleiter Klaus Hägele zählte reihenweise Unterschiede zum Buchenbach-Feuerwehrhaus auf: Das Sumpfgelände bei der Kreisklinik braucht ganz andere, dickere und teurere Bodenplatten mit viel Baustahl drin, die Vorschriften für alles Mögliche haben sich verschärft: Heizung, Energieverbrauch eines Gebäudes, Normen für Feuerwehrhäuser, und, und, und. Die ganze elektrotechnische und elektronische Ausstattung komme viel teurer. Zwei Funksysteme müssten eingerichtet werden, ein digitales und ein analoges. Das Gelände ist größer und weniger eben: Das erfordert mehr Baggerarbeiten, mehr Landschaftsbau, mehr Platz- und Straßenbefestigung. Hägele pflückte die Kostenrechnung der Architekten auseinander und fügte sie wieder zusammen. Er schaute nach Honoraren, verglich Stückkosten und kam zu dem für Laien verblüffenden Ergebnis: Man kann vielleicht 100 000 oder 200 000 Euro einsparen, wenn man ein weniger aufwendiges Heizsystem wählt, wenn man auf Aluplatten an den Holzfensterrahmen verzichtet und Ähnliches. Aber der Rest der Mehrkosten sei begründet. „Das ist hier eine absolut wirtschaftliche Planung. Das ist nicht überzogen.“

Dann, so ließ sich CDU-Stadtrat Werner Heincke hören, müsse man überlegen, ob man überhaupt dieses Feuerwehrhaus braucht. Auch Richard Fischer von der CDU stellte das ganze Brandschutzkonzept infrage und bezweifelte die Notwendigkeit von drei Standorten.

Feuerwehrkommandant Harald Pflüger erklärte die Notwendigkeit: Feuerwehrleute müssen vom Arbeitsplatz weg zum Feuerwehrhaus anrücken und dann mit dem Feuerwehrauto ausrücken zum Brandort. Insgesamt sollen sie dafür zehn Minuten brauchen. Diese Frist erreicht man in Hanweiler, im hinteren Schelmenholz und in Breuningsweiler nur vom neuen Standort aus. Also überlegten Gemeinderäte wie Fischer, ob diese Hilfsfristen sein müssen: „Dürfen Hilfsfristen in bestimmten Fällen verlängert werden?“ Da kam dann allerdings ein Löschangriff aus den Reihen des Gemeinderats: „Hilfsfristen sind einzuhalten“, konterte Andreas Herfurth (SPD), „Wir haben den Entscheidungsprozess sukzessive erarbeitet. Wir haben A gesagt, wir haben B gesagt, und jetzt müssen wir auch X sagen.“ Auch Nicole Steiger (FDP) empörte sich: „Ich bin überrascht, dass wir über Hilfsfristen nachdenken. Was ist uns schnelle Hilfe wert?“

Hans Ilg (FWV) fasste zusammen: „Wir haben das Brandschutzkonzept beschlossen, und die Entscheidung ist richtig. Wir haben den Standort beschlossen. Jetzt kommen 4 Millionen Euro Kosten heraus. Jetzt sind wir erschrocken. Wir müssen mit diesen Mehrkosten umgehen. Womöglich ist der Standort falsch, aber ich bin überzeugt, dass wir das dritte Feuerwehrhaus brauchen.“ Dieter Rommel (FWV, von Beruf Architekt) dämpfte alle Hoffnungen: „Egal was wir machen, wir werden nicht unter 4 Millionen Euro kommen. Die 2 Millionen waren eine gegriffene Zahl.“

Fünf Stadträte der CDU enthielten sich bei der Abstimmung der Stimme. Alle anderen stimmten den Plänen zu. Trotz der hohen Kosten wird das Feuerwehrhaus gebaut.

Quelle:
Winnender Zeitung vom 01.10.2013

Vorentwurf Gerätehaus Zipfelbach (Quelle: ZVW)