Kindererlebniswelt unter dem Motto „Feuerwehr im Einsatz“ beim Feuerwehrfest im Feuerwehrhof
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Winnenden. Am Wochenende haben die Winnender Brandschützer ihr Fest gefeiert. Dabei war aber auch eine „Kindererlebniswelt“. Es wurde um den Nachwuchs geworben und bei einer Brandschutzübung gezeigt, wie mit Feuerlöscher und Brandmelder umzugehen ist.
Es gab ein von der Jugendfeuerwehr angebotenes Minigolf mit Schlauch statt Stock, wo ein Ball eine Bahn runtergespritzt wird, oder das beliebte Zielspritzen (der Sieger darf sich „Kreisbrandmeister“ nennen). Aber die meiste Action ist nebenan bei einem Feuerwehrhaus im Kleinen, mit roten Bobbycars statt der üblichen Einsatzwagen und Feuerwehrmännern in Plastikhelmen, die alle noch nicht allein ins Kino dürften, aber sich um ein brennendes Holzhaus kümmern, mit einem Feuer, das es zu löschen gilt, wie im richtigen Leben.
Diese Echtzeit-Löschaktion für Kids ist der Knaller. Wie in echt heißt es auch hier: Ohne Zielwasser geht nichts. Zumindest bei den Kindern. Die Väter kommen auch mit Muskelkraft weiter, wenn sie in der sengenden Hitze des Sonntagnachmittags jenes Wasser pumpen, das der Nachwuchs mit Schläuchen auf die Brandstelle spritzt.
Aber die Miniwehrler in ihren grünen Helmen sind für die Feinarbeit zuständig und halten den Strahl genau in die lodernden Flammen, bis von Harald Pflüger, dem Winnender Feuerwehrkommandanten, der erlösende Satz kommt „Feuer gelöscht!“ Es wird applaudiert, die Kleinen, die nicht ahnen, dass Pflüger den Brand sicherheitshalber mit einer Fernbedienung steuert, sonnen sich in der Anerkennung. Ein kleiner Vorgeschmack darauf, wie es später mal sein könnte, als echter Feuerwehrmann.
Dafür ist die Übung gedacht. Um den Nachwuchs an die Wehren zu führen. Sicher, im Alter bis fünf, so Pflüger, „wollen die Jungs Feuerwehrmann werden“. Aber mit zehn, dem üblichen Eintrittsalter in die Jugendwehr, „sind sie oft schon anderswo abgegriffen“.
Deshalb entstand bei den Wehren die Idee der Feuerwehr-Bambini ab sechs, die es in Baden-Württemberg vereinzelt schon gibt. Winnenden indes ist laut Pflüger „noch nicht so weit“. Interesse beim Nachwuchs scheint aber vorhanden, wie das Engagement der Kinder beim Feuerwehrfest zeigt.
Mit Begeisterung fahren sie im schmucken Feuerwehrfahrzeug mit (auch heute von 15.30 bis 18 Uhr, Abfahrt Buchenbachbrücke), so wie alles, was mit Feuerwehr zu tun hat, die Fantasie der Kleinen weckt. Oft ist auch schon Wissen vorhanden, wie ein Junge bei der Brandschutzübung im Bauhof beweist. Moderator Michael Pflüger, Sohn des Stadtkommandanten, fragt, wer die Rufnummer der Wehren bei Notfällen weiß, und Juri (8) sagt, ohne zu zögern, „112“. Bescheid wissen sie also, die Bambini.
Schauübung im Brandcontainer mit einer explodierenden Spraydose
Im Brandcontainer der Plüderhäuser Feuerwehr, den sich die Winnender Kollegen für Schauübungen ausgeliehen haben, lassen sich krasse Sachen machen, waghalsige Experimente, die ohne den rostigen Rahmen des alten Containers keinen Sicherheitstest bestehen würden. Etwa das mit der explodierenden Spraydose. Erst wird sie in einem alten Ofen in Brand gesteckt, während der Moderator Michael Pflüger etwa 80 Zaungäste auf das Schlimmste vorbereitet - und dann tut’s einen Schlag, als habe der Bombenentschärfungsdienst eine Hinterlassenschaft des Zweiten Weltkrieges nicht in den Griff bekommen!
So gefährlich kann’s also werden, wenn brennende Treibgase ihre Energiepotenziale entfalten. Ähnlich eindrucksvoll nicht nur für Schreckhafte sind die lodernden Flammen, als im Container auf brennendes Öl ein Glas Wasser geschüttet wird - und schon bricht derart schnell ein Feuer aus, wie es auch Satan in der Hölle nicht heftiger schüren könnte.
Der große Feind ist der Rauch
- Es gab auch weniger knallige, dafür umso informativere Momente in der Brandschutzübung. Etwa 400 Tote gebe es jährlich nach Bränden in Deutschland, 95 Prozent wegen Rauchvergiftungen - was zeigt, dass „der große Feind der Feuerwehr nicht das Feuer, sondern der Rauch ist“, so Michael Pflüger. 70 Prozent der Brände passieren tagsüber, aber 70 Prozent der Toten sterben bei Nacht. Weil da „der Geruchssinn schläft“. Was den Kauf von Rauchmeldern empfiehlt. Ab 2014 werden sie Pflicht in Baden-Württemberg, und bei Pflüger kostet einer heute nur zehn Euro.
- Der Feuerwehrmann berichtet auch „über Sinn und Unsinn von Feuerlöschern“ und führt mit seinen Kollegen vor, wie sich ein Brand von kleinerer Dimension löschen lässt. Im Container brennen Sessel und Schränke, Holz und Polster sorgen für relativ harmlosen Rauch, der erst später immer dunkler, also giftiger wird. Bis er plötzlich in reinem Weiß gen Himmel steigt. Die Wehrler in ihren vierlagigen Schutzanzügen und den Atemmasken vor dem Gesicht haben bei ihrer Löschaktion nämlich alles richtig gemacht, das Feuer von unten her bekämpft und den Rauch in Wasserdampf verwandelt.
Quelle: Winnender Zeitung vom 29.07.2013
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 Also wenn da der Nachwuchs (und wohl auch so mancher Papa) nicht sein Herz fürs Löschen entdeckt ... Bild: Büttner (ZVW) |
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