Großübung der Winnender Feuerwehr simuliert einen Brand in einem Papierlager

15.04.13 - 20:44 - Martin Frank
Das Gelände der Entsorgungsfirma Schief war am Samstag die Kulisse für ein Übungsszenario der Feuerwehr Winnenden: Ein Fahrzeug fängt direkt vor der Halle mit tonnenweise Papierballen Feuer – ein hochgefährlicher und heimtückischer Brandherd.
Papier. Wohin das Auge blickt: Papier. Papierabfall, genauer gesagt - für die zahlreichen Zuschauer zu sehen in Form von Haufen aus gehäckselten Kartonagen und als übereinanderliegende bunte Papierstreifen, die ein wenig an plattgelegene Luftschlangen denken lassen. Dahinter, im Lager und bei der Presse: Türme aus gepresstem Papier, hoch wie Zweifamilienhäuser. Aus der Ferne wirken selbst die großen Tanklöschfahrzeuge und der Vorausrüstwagen davor klein wie Spielzeugautos.

Was die Mitarbeiter des Entsorgungsunternehmens Schief aus Papiercontainern im Stadtgebiet sammeln, zu Ballen pressen und wie Bauklötze stapeln, wiegt Tonnen und ragt meterhoch in den blauen Himmel, der aber schon bald trüb und von schwarzen Rauchwolken verdeckt wird – natürlich nur in der Übungsannahme der Feuerwehr, die mit zwölf Fahrzeugen und den Abteilungen Hanweiler und Buchenbach ausrückt.

Das Gebäude muss Stockwerk für Stockwerk durchsucht werde

Beeindruckend zu beobachten, wie schnell sich Angriffs-, Wasser- und Schlauchtrupps in Stellung bringen. Flugs werden Schläuche ausgerollt, so dass innerhalb weniger Minuten ein Schlauchnetz Teile des Bodens belegt. In drei Abschnitten gehen die Feuerwehrmänner ans Werk: Eine Station formiert sich rund um die verunfallten Fahrzeuge. Ein Trupp stellt die Wasserversorgung her: über eine Tragkraftspritzpumpe, die von vier Mann zur Saugstelle über dem ehemaligen Sprinklerbehälter der AEG getragen und dort angeschlossen wird. Zusätzlich wird eine Leitung von der Max-Eyth-Straße her aufgebaut

Der dritte Trupp ist damit beschäftigt, das Werkstattgebäude nach Menschen zu durchforsten und die Brandbekämpfung in die Wege zu leiten. Das Gebäude muss Stockwerk für Stockwerk nach Menschen durchsucht werden, bevor mit der Brandbekämpfung begonnen werden kann. Dies bedeute eine personalintensive Personensuche, resümiert der stellvertretende Kommandant Helmut Schirmer.

70 Feuerwehrleute und 16 Rotkreuzler stemmen den angenommenen Ernstfall: Infolge eines Unfalls zwischen einem Radlader und einem Pkw im Bereich von Werkstatt und Papierlager fängt ein Fahrzeug Feuer. Der Lkw-Fahrer verlässt in Panik das Führerhaus, stürzt und bleibt bewusstlos auf dem Boden liegen. Der Pkw-Fahrer erleidet einen Schock und sitzt immer noch im Wagen, als die Flammen sich schnell ausbreiten und die Feuerwehr eintrifft.

Schnell fangen die ersten Papierschnipsel im Lager Feuer. Dicker schwarzer Rauch steigt auf. Die Übungs-Choreografie, die der stellvertretende Kommandant vorbereitet hat, sieht einen Brand auch im Bereich der Presse vor: Umherfliegende glimmende Papierfetzen entzünden Papierstapel und die Presse.

Über die Folgen für die Mitarbeiter führt Raphael Rojas, Zugführer der Einsatzeinheit, Buch: „Zwei Schwerverletzte, Handverletzung, Rauchgasvergiftung, Platzwunden“, zählt er auf. Sechs „Patienten“ - gespielt von professionell geschminkten Mitgliedern der Jugendfeuerwehr - lassen sich im Zelt versorgen, Verbände anlegen, ihre von der Hitze geröteten Hautstellen verarzten und die aufgemalten Rußspuren aus den Gesichtern wischen.

Einer der Mimen hustet überzeugend - die Rauchgasvergiftung von Mike ist zum Glück heute nur Teil eines Spiels. Ebenso wie der Schaumteppich, bei dem ein an einem Strahlrohr befestigter Kanister und nicht wie sonst üblich ein Schaumzumischer zwischen zwei Rohren den Schaum erzeugt. Auch die Menschenrettung sorgt für Staunen, da einiges an Feuerwehrtechnik zu sehen ist - zuvorderst, vielmehr zuoberst, die Drehleiter, mit der über die Köpfe der Zuschauer mehrere eingeschlossene Personen im Korb runter auf die Erde geholt werden.

Heimtückisch:
  • Papier sei ein heimtückischer Gefahrenherd: Bis die Ballen brennen, dauere es zwar, sagt Stadtbrandmeister Harald Pflüger. „Aber wenn sie mal Feuer gefangen haben, brennen sie richtig, dann können sich Löscharbeiten über Wochen hinziehen.“
  • Die Feuerwehr muss gewappnet sein, um im Ernstfall das Gebäude und die Wasserversorgung zu kennen und Personenrettung und Brandbekämpfung disponieren zu können. Darum sind Hauptübungen auch weiterhin wichtig, betont Stadtbrandmeister Harald Pflüger, auch wenn, wie er sagt, einige Wehren im Land auf regelmäßige Übungen verzichten würden. Mit dem Verlauf der Übung zeigte sich der Stadtbrandmeister zufrieden, die Wehr habe ihre Sache sehr gut gemacht.
  • Von der DRK-Bereitschaft Winnenden standen 16 Sanitäts- und Rettungshelfer parat, um die Geretteten - allesamt Mimen der Jugendfeuerwehr - zu versorgen.

Quelle: Winnender Zeitung vom 15.04.2013

Großübung von Feuerwehr und DRK: Ein Schwerverletzter wird geborgen. (Bild: Habermann ZVW)


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