Die Feuerwehr formiert sich neu

21.03.13 - 18:00 - Martin Frank
Frank Dissertori zum Kommandanten der Abteilung Stadtmitte gewählt – Harald Pflüger bleibt Gesamtkommandant
Winnenden. Der neue Kommandant der Feuerwehrabteilung Stadtmitte heißt Frank Dissertori und ist 42 Jahre alt. Harald Pflüger hatte für dieses Amt nach 25 Jahren der Verantwortung nicht mehr kandidiert. Mit diesem Wechsel und künftigen Änderungen formiert sich die Winnender Feuerwehr neu.

Seit Jahrzehnten gehört es zum Winnender Alphabet, dass der Feuerwehrkommandant Pflüger heißt. Harald Pflüger war 25 Jahre lang Kommandant der Abteilung Stadtmitte und in Personalunion Kommandant für alle Winnender Abteilungen. Sein Vater Helmut Pflüger war viele Jahre der Winnender Kommandant und ist heute Leiter des Feuerwehrmuseums.

Nun ändert sich die Feuerwehrstruktur. Pflüger bleibt unbestrittener Gesamtkommandant der Winnender Feuerwehr. Aber das Amt in der Abteilung Stadtmitte hat er bei der letzten Abteilungsversammlung abgegeben, und die Feuerwehrleute haben Frank Dissertori gewählt. Damit haben die beiden großen Abteilungen Buchenbachfeuerwehr (Rolf Schwarz aus Birkmannsweiler) und die Abteilung Stadtmitte ihre eigenen Kommandanten.

Die dritte große Abteilung wird sich in den nächsten Jahren bilden


In den nächsten zwei bis drei Jahren wird sich eine dritte große Abteilung formieren, die Abteilung Süd, bestehend aus Hanweiler, Breuningsweiler und etlichen Feuerwehrleuten aus der Abteilung Stadtmitte, und die wird wieder einen eigenen Kommandanten wählen.

Dissertori beginnt zusammen mit Harald Pflüger die Vorbereitungen für diese dritte Abteilung. Stadtverwaltung und Gemeinderat wollen ein Grundstück im Süden der Stadt für das dritte Feuerwehrhaus kaufen, und Frank Dissertori bereitet die Aufteilung der Abteilung Stadtmitte vor. 83 Männer und drei Frauen stehen hier zu Diensten. Die Abteilung ist groß genug, um Einsatzkräfte abzugeben. „Es wird wehtun“, sagt Dissertori „aber wir werden das hinkriegen.“ Feuerwehrleute lassen sich nicht gerne wegholen von ihren Teams und keinesfalls lassen sie sich von ihren alten Kumpels ganz abtrennen.

Die Abteilung arbeitet an der Kameradschaft und der Motivation

Das möglicherweise altmodische Wort Kameradschaft ist in der Feuerwehr immer noch die wichtigste Motivation für diesen Freiwilligendienst. Feuerwehrleute kommen rasend schnell zum Brandort und arbeiten dort so professionell wie bezahlte Berufseinsatzkräfte, weil sie in der Gruppe Verlässlichkeit, Hilfsbereitschaft, eben Kameradschaft erleben. Diese Kameradschaft lebt, weil sie gepflegt wird, von den Feuerwehrleuten selbst. Die Abteilung Stadtmitte hat in Arbeitsgruppen das Thema Kameradschaft und Motivation aufgearbeitet, hat eine Menge neuer Vorschläge aufgelistet. Daran arbeitet die Abteilung mit dem neuen Kommandanten in den nächsten Monaten.

Ja, wie? Muss nicht viel mehr die Technik gepflegt werden? Ist die Kameradschaft nicht sowieso da? Beides müsse man pflegen, sagt Dissertori, die Maschinen muss man ölen, und die Kameradschaft muss immer wieder erneuert werden, sonst lässt sie nach. Das ist bei der Feuerwehr wie im Berufsleben.

Frank Dissertori ist Techniker, Konstrukteur, gelernter Werkzeugmacher. Bei Stihl war er schon, bei Audi in Neckarsulm, und seit einigen Jahren ist er bei AMG in Affalterbach. Er ist verheiratet, Vater von zwei Kindern und ist von Winnenden aus in zehn Minuten bei der Arbeit. Das schätzt er sehr.

Wenn der Alarm runtergeht, braucht er acht bis neun Minuten vom Arbeitsplatz weg bis zum Feuerwehrhaus Stadtmitte. Das heißt: Mit dem ersten Löschfahrzeug fährt er noch nicht raus, aber in der zweiten Gruppe schon. Am Mittwoch beim bedrohlichen Dachstuhlbrand in der Marktstraße war er auch dabei.

Über den Vater zur Jugendfeuerwehr gelangt

Der Name Dissertori hat für Winnender Ohren einen besonderen Klang. So hieß der Inhaber des Spar-Geschäfts an der Wiesenstraße, der schon zuvor in Winnenden Lebensmittelgeschäfte führte. Frank Dissertori ist mit den Läden seines Vaters großgeworden, hat dort von klein auf mitgearbeitet und hat bis 2009 im Hintergrund an der Technik und der EDV des Geschäfts mitgearbeitet, wie es üblich ist in einem Familienbetrieb. Über seinen Vater kam Frank Dissertori mit 14 Jahren zur Jugendfeuerwehr, war fünf Jahre lang Gruppenführer, später fünf Jahre stellvertretender Abteilungskommandant, und seit 20 Jahren arbeitet er im Ausschuss der Feuerwehr mit. Dissertoris Werdegang ist typisch: Auch heute stammen viele Jugendfeuerwehrleute aus Feuerwehrfamilien.

Quelle: Winnender Zeitung vom 21.03.2013

Ehrung für den neuen Abteilungskommandanten und den bestehenden Gesamtkommandanten diese Woche im Sitzungssaal des Rathauses: Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth, Abteilungskommandant Frank Dissertori, Gesamtkommandant Harald Pflüger und Bürgermeister Norbert Sailer. (Bild: ZVW)


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Winnender_Zeitung_2013_03_21.pdf