Knapp Tragödie entronnen

14.03.13 - 22:09 - Daniel Bahner
Verwandter reagiert geistesgegenwärtig: Alle Bewohner gerettet
Winnenden. Bei einem Hausbrand gestern Vormittag an der Marktstraße ist eine Familie möglicherweise knapp einer Tragödie entronnen. Ein Verwandter, der aus Backnang zu Besuch kommen wollte, war geistesgegenwärtig und reagierte sofort richtig.

Einem 20-jährigen Backnanger, der die im Haus wohnende, aus dem Kosovo stammende Familie seines Onkels besuchen will, fällt von der Straße aus auf, dass aus dem Dach des Altbaus neben dem ehemaligen „Walli“ übermäßig starker Rauch aufsteigt. „Da war so viel Qualm, der konnte unmöglich aus einem Kamin sein. Ich habe gleich gedacht, das kann nur ein Brand sein“, berichtet er später auf Nachfrage.

Als auf sein drängendes Klingeln hin niemand öffnet, sorgt er dafür, dass die Betreiber des gegenüberliegenden Feinkostladens einen Notruf absetzen, tritt ohne zu zögern die Haustür ein und klopft Sturm an der Wohnungstür. In der Wohnung im zweiten Obergeschoss sind seine Tante und ihr zweijähriges Kind. Die beiden älteren Kinder sind zu der Zeit in der Schule, der Onkel bei der Arbeit.

Die Tante und ihre Tochter im Haus hatten das Feuer gar nicht bemerkt

Seine Tante habe das Feuer im Haus noch gar nicht bemerkt gehabt, berichtet der junge Mann. Sofort schafft er seine beiden Verwandten und einen älteren Bewohner aus dem ersten Obergeschoss in Sicherheit. Die Verwandten und dieser Mann werden später auf Verdacht wegen einer möglichen Rauchvergiftung ins Krankenhaus gebracht. Im Erdgeschoss, wo bis vor kurzem noch eine Finanzberatungsfirma war, sind die Büros zu vermieten, dort hält sich also niemand auf.

Die immer stärkere Rauchentwicklung durch den Brand erregt derweil schnell die Aufmerksamkeit der Passanten in der Marktstraße, so dass sich innerhalb kurzer Zeit eine Menschentraube bildet und das gefährlich nahe an dem Gebäude, von dem bereits die ersten Dachziegel herunterfallen. Klarer Fall, dass auch längst die ersten „Souvenirfotos“ mit Handykameras geschossen werden, noch ehe die Feuerwehr eintrifft. Die stellt unter Einsatz von Atemschutzgeräten fest, dass sich keine Menschen mehr im Gebäude befinden, in dem insgesamt acht Personen gemeldet sind. Die Wehr setzt unverzüglich zwei Drehleitern mit Löschmännern an der Spitze ein und sperrt den Bereich um das Haus ab.

Wehr bekommt Brand nach einer halben Stunde unter Kontrolle

Während am benachbarten Viehmarktplatz die Beobachtermenge und die Zahl der Rettungsfahrzeuge immer größer werden, schafft es die Wehr, bei anhaltend enormer Rauchentwicklung und auch nun aus dem Dach herausschlagenden Flammen den Brand nach rund einer halben Stunde unter Kontrolle zu bekommen und zu löschen. Umliegende Gebäude bleiben somit verschont. Das bedeutet aber noch längst nicht das Ende der Arbeit für die Rettungskräfte, nun geht es in dem, was vom Dachstuhl noch übrig ist, bei Temperaturen um den Gefrierpunkt an die Sicherung und die Spurensuche durch die Kripo. Die letzten Feuerwehrleute ziehen gegen 14 Uhr ab.

Das Haus ist vorerst unbewohnbar, angesichts seines Zustandes ist es zweifelhaft, ob es überhaupt sanierbar ist, ein Abriss ist wahrscheinlicher. Die Familie, die im zweiten Obergeschoss gewohnt hat, könnte zunächst bei Verwandten unterkommen. Sie hat sich aber mittlerweile, ebenso wie die dreiköpfige Familie aus dem ersten Obergeschoss, um Hilfe an die Stadt gewandt.

@Video und Bilder auf www.zvw.de

Quelle: Winnender Zeitung vom 14.03.2013

Der Dachstuhl brannte lichterloh, als die Feuerwehr mit der ersten Drehleiter angerückt war. Bild: Schmitzer (ZVW)

Die Rauchsäule ließ die Passanten stehen bleiben und schauen. Bild: Schmitzer (ZVW)

Wahrscheinlich hat das Feuer im Dachstuhl losgelegt. Er brannte komplett aus. Bild: Schmitzer (ZVW)


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Winnender_Zeitung_2013_03_14.pdf