1100 Quadratmeter großer Anbau: Eröffnungstermin von 21. September auf Januar oder Februar verschoben
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Winnenden. „Ruhig Blut rettet gut“ – im Feuerwehrmuseum hängt ein Schild, dessen Empfehlung für den jüngsten „Brandfall“ gelten kann. Der geplante Anbau-Eröffnungstermin 21. September ist geplatzt. Eine Firma war so voll mit Aufträgen, dass sie den Anbau warten ließ. Die Verknüpfung mit ehrenamtlichen Helfern kam aus dem Rhythmus.
„Wir sind in guter Gesellschaft mit dem Berliner Flughafen und dem Krankenhaus“, witzelt Alt-Oberbürgermeister Karl-Heinrich Lebherz. Der zweite Vorsitzende des Feuerwehrmuseumsvereins bewahrt Ruhe. „Wir arbeiten nicht mit Vertragsstrafen, wir sind ja auch auf den guten Willen der Firmen angewiesen“, spielt er auf gute Angebote der häufig mit den Leuten von Feuerwehr oder Museum verbundenen Handwerker an. Weil auch in den eigenen Mitgliederreihen jede Menge fähiger Handwerker sind, einer der treuesten ist Gerhard Föll, der gestern den Dreck aus der künftigen Küche neben der Cafeteria kehrte, passiert vieles professionell, aber nebenher. „Mehr als 12 500 Ehrenamtsstunden sind bis jetzt geleistet worden“, sagt Lebherz. Damit ist das Pensum, das vor zehn Jahren erbracht wurde, um den Güterbahnhof in ein Museum zu verwandeln, überschritten.
Verzögerung macht vier bis sechs Monate aus
Während Helmut Pflüger, Seele und Triebfeder des Feuerwehrmuseums, sich von den Baustrapazen zwei Wochen lang in Italien erholt, legt sich Lebherz mit einem neuen Eröffnungstermin noch nicht endgültig fest. „Ende Januar, Anfang Februar. Aber offiziell für die Besucher erst nach den Tagen der offenen Tür im Frühjahr, wenn wir auch draußen ein bisschen Programm machen können.“
Die Vorfreude darf also noch ein wenig weiter gehegt werden. Immerhin sind schon die ersten Fahrzeuge in die Werkstatt im Keller gestellt worden. Daneben werden in Regalen im Magazin Stücke gelagert, die für Sonderausstellungen ausgewählt werden. Weiter beherbergt das Untergeschoss eine Kleiderkammer, ein Archiv, Toiletten, einen Ausstellungsraum – und öffnet sich zum Treppenhaus, das den Güterbahnhof Baujahr 1874 mit dem modernen Anbau verbindet und den Altbau gleichzeitig für Gehbehinderte erschließbar macht. „Der Aufzug ist eine Auflage, die wir bei der Genehmigung des ersten Museumsteils bekommen haben.“ Lebherz schildert, dass vor allem die Kellerräume den lange ersehnten Platz bieten, um die Sammlung zu dokumentieren und in den oberirdischen Räumen immer wieder interessant zu gestalten. „Und wir können die alte Ausstellung entzerren. Es bleibt aber beim schlüssigen Konzept von Helmut Pflüger, dass wir 250 Jahre Feuerwehrgeschichte in Süddeutschland erlebbar machen wollen“, so Lebherz. Auch der Haupteingang bleibt, wo er jetzt ist: im ehemaligen Güterbahnhof. Viele der historischen Fahrzeuge, darunter der Magirus Gaggenau von 1924, werden aber in den Neubau umziehen. Die vielen Handdruckspritzen und Feuerwehrvorgängerfahrzeuge, das älteste wurde von Pferden gezogen und stammt von 1745, können dann besser wirken und von den Besuchern einfacher umrundet werden.
Zwischen altem und neuem Museum entstehen in jedem Stockwerk Durchgänge, die Öffnung im ersten Stock hält noch eine Menge baulicher Tüftelarbeit für den Statiker bereit. Während des Umbaus der Ausstellung bleibt der alte Teil an den Wochenenden und für angemeldete Gruppen geöffnet. Auch wenn sich die Verantwortlichen für Staub auf den guten Stücken genieren – ruhig Blut. In etwa einem halben Jahr ist auch das geschafft.
Quelle: Winnender Zeitung vom 31.08.2012
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 Karl-Heinrich Lebherz im Keller des Feuerwehrmuseum-Anbaus, hinter ihm die herrliche Sandsteinwand des ehemaligen Güterbahnhofs. Bild: Bernhardt (ZVW) |
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