Sturm hat Ziegel im Torturmdach gelöst, einen Wald zerstört, den Schlosspark und das Schloss beschädigt
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Winnenden. Die gröbsten Sturmschäden sind beseitigt. Aber an schlimmen Schadstellen arbeiten noch Handwerker: Am Schloss hat ein umgestürzter Baum Fassade und Dach beschädigt. Ein Mehrfamilienhaus in der Eichendorffstraße darf zwar wieder bewohnt werden, aber Schäden werden noch beseitigt, und der Durchgang durchs Schwaikheimer Tor ist seit der Sturmnacht gesperrt – weil lose Ziegel oben liegen.
Langsam gewinnt Feuerwehrkommandant Harald Pflüger den Überblick über die Schäden und darüber, was die gesamte Winnender Feuerwehr in der Nacht von Samstag auf Sonntag und den ganzen Sonntag über geleistet hat. Alle Abteilungen waren alarmiert und unterwegs. 90 Feuerwehrleute arbeiteten die Nacht durch. Am Sonntag waren den Tag über 50 Feuerwehrleute im Einsatz.
Auf einer Fläche ist fast alles zerstört, direkt daneben sind keine Schäden
Der Samstagabend hatte mollig warm angefangen. Viele Leute feierten bei Festen und Partys im Freien. Auch bei der Baacher Bachetse saßen sie durstig und lustig beisammen. Die Dämmerung kam an diesem Abend schon um neun in Gestalt von graublauen Wolken. Eine Viertelstunde später peitschte ein wilder Sturm in Böen den Regen durch die Stadt. „Er war unberechenbar“, sagt Feuerwehrkommandant Harald Pflüger, „an einer Stelle konnte er Äste abreißen und wüten, und direkt daneben blieb alles heil.“ Die große Sturmwut brach über den Hohreusch herein, das Walstück zwischen alter B 14 und Waiblinger Berg. Es sieht aus wie seinerzeit nach „Lothar“. Hunderte von abgeknickten Bäumen, gefährlich gespannt aufliegende Baumstämme, bizarr aufragende Holzspieße von gebrochenen Stämmen. Es wäre lebensgefährlich, den Wald zu betreten.
Zwei Häuser für Stunden von der Außenwelt abgeschlossen
Aber durch den Wald führt ein Kiesweg zu zwei einsamen Häusern auf der Kuppe des Waiblinger Berges. Von dort kam am Samstagabend ein Hilferuf. Bäume waren auf drei Autos gestürzt und hatten sie eingedellt, hatten die Telefonleitung abgerissen und hatten den ganzen Zufahrtsweg blockiert. Auch auf die Häuser waren Äste gefallen. Ein Trupp der Feuerwehr rückte mit mehreren Kettensägen an und arbeitete sich zweieinhalb Stunden in der Nacht durch, schaffte Tonnen von Sturmholz beiseite, bis man zu den Häusern kam.
Mehrfamilienhaus geräumt, bis der Strom abgestellt ist
Der erste Alarm war um 21.18 Uhr eingegangen. Der heikelste folgte wenig später: Ein Mensch sei eingeklemmt unter einem Baum in der Albertviller Straße. Die Wehr rückte sofort aus, stellte dann aber fest, dass dies zum Glück doch nicht der Fall war. Brisant der Alarm aus der Eichendorffstraße, wo die Häuser ihren Strom über blanke Elektroleitungen durch die Luft bekommen. Ein Baum hatte einen Mast geknickt und die stromführende Leitung auf ein Balkongeländer gedrückt. Die Feuerwehr räumte das Mehrfamilienhaus. Die Süwag stellte den Strom im kleinen Umkreis ab, und die Leute durften wieder zurück ins Haus, hatten dann aber keinen Strom mehr.
Gäste der Bachetse halten die Festzelte fest und retten sie
Währenddessen fegte der Sturm schon viele Minuten lang heftig über die Festzelte der Baacher Bachetse. Die Festgäste klammerten sich stehend an die Stangen und hielten das Zelt am Boden. Wohl eine halbe Stunde lang harrten sie so aus und wurden vom Regen patschnass dabei. Der Orkan wütete über die Höhenlagen des Schelmenholzes ins Zipfelbachtal, drückte dort Ballfanggitter nieder, ließ aber zum Glück die Überland-Hochspannungsleitung stehen, verschonte die Krankenhausbaustelle und die Bamboo Lounge weitgehend, tobte dann aber zerstörerisch durch den Schlosspark, riss vielen Bäumen die Wipfel und Hauptäste ab oder warf sie ganz um. Einen drückte er aufs Schloss.
Am Büchnergymnasium knickte der Sturm den Wipfel einer Tanne, die sich dann gefährlich zum Schulgebäude neigte. Den Stadtpark verwüstete er so, dass am Sonntag das Musikschulfest verlegt werden musste.
Ein Dachziegel des Torturms bohrt sich ins Dach eines Erkers
Dann zog der Sturm in die Stadt, rüttelte an einem Baum bei der Kastenschule und griff die Dachziegel an, umwehte den Schwaikheimer Torturm so lange, bis zwei Quadratmeter Ziegel durch die Luft wirbelten, zu Boden stürzten oder im Lawinenfang des Nachbarhauses von Optik-Lauschke hängen bleiben. Das klingt alles schmetterlingsleicht. Aber ein Dachziegel fiel auf ein Erkerdach, schlug sich senkrecht in die Dachfläche und steckt dort heute noch. „Die losen Ziegel sind lebensgefährlich“, sagt Harald Pflüger.
Beschädigte Dächer machten etwa ein Viertel der Schäden aus, ein weiteres Viertel waren Überschwemmungen, Wasserschäden. Aber der Großteil aller Schäden entstand durch umstürzende Bäume. Die Baacher Bachetse jedoch hatte das Glück der Tüchtigen: Alle größeren Festzelte standen gestern wieder sauber da.
Weitere Schäden
- Angeknickt, umgeknickt oder entwurzelt hat der Sturm viele Bäume auf dem Stöckach und entlang der Straße nach Birkmannsweiler. Die Feuerwehr hat die Straße noch in der Sturmnacht freigeräumt. Die Äste und Baumstämme liegen jetzt am Straßenrand. Die Grundstücksbesitzer werden sie wegräumen müssen.
- Ein Zeitungsleser berichtet uns von einem entwurzelten Walnussbaum beim Hochbehälter am Stöckach. Vermutlich handelt es sich auch hierbei um einen der vielen Privatschäden in der Region.
- Auch am Buchenbach wurden viele Bäume vom Sturm zerrissen. Große, alte Obstbäume auf einem Privatgrundstück an der Wiesenstraße wurden zerstört.
- Kuriosität am Rande: Auf dem Dach des „Samba“ landete ein Zelt, das vorher beim Obi unten gestanden haben muss.
@ Weitere Information, Bilder und Videos zum Sturm auf www.zvw.de
Quelle: Winnender Zeitung vom 03.07.2012
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 Sturmschaden an der Forchenwaldstraße: Baum liegt quer über einem Fußweg. (Bild: Schmitzer, ZVW)  Ein umgerissener Baum im Schlosspark hat das Dach des Schlosses beschädigt. (Bild: Schmitzer, ZVW)  Fußgängerbrücke bei der Schlosskirche: Geländer durch einen umgestürzten Baum beschädigt. (Bild: Schmitzer, ZVW) |
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