Gas-Alarm: Kreissparkasse evakuiert

05.06.12 - 10:57 - Daniel Bahner
Austritt von Ammoniak-Gas verursacht Großeinsatz / Alter Postplatz rund zweieinhalb Stunden gesperrt
Waiblingen. Großeinsatz am Alten Postplatz. Aufgrund eines technischen Defekts trat am Montag im Keller des Direktionsgebäudes der Kreissparkasse giftiges Ammoniak-Gas aus. Das Gebäude wurde evakuiert, der Alte Postplatz weiträumig gesperrt, verletzt wurde niemand. Zur Ursache des technischen Defekts wird derzeit noch spekuliert. Das Ammoniak wird zum Betreiben der Erdwärmeheizung verwendet. Die ständig durchgeführten Luft- und Wassermessungen erbrachten keine Überschreitungen der Grenzwerte.

Der Alte Postplatz in Waiblingen gleicht einer Kulisse für einen Katastrophenfilm. Es herrscht hektische Betriebsamkeit, wie auf einem Ameisenhaufen wuseln Einsatzkräfte von Feuerwehr, DRK und Polizei hin und her, während aus den Funkgeräten Befehlsketten rauschen. Feuerwehrmänner in giftgrünen Spezialanzügen bereiten sich auf ihren Einsatz vor, Polizisten fordern die Schaulustigen höflich, aber bestimmt dazu auf, die Straßenseite zu wechseln, der Verkehr wird umgeleitet. Immer mehr Einsatzfahrzeuge treffen auf der Kreuzung Mayennerstraße/Bahnhofstraße ein. Es scheint, als seien alle verfügbaren Einsatzkräfte des Rems-Murr-Kreises beteiligt.

Gegen 13 Uhr löst eine Alarmvorrichtung im Direktionsgebäude der Kreissparkasse in der Bahnhofstraße 1 Gasalarm aus. „Der Hausmeister hat mich angerufen, ich habe dann sofort die Feuerwehr verständigt“, sagt Wolfgang Mückel, Sicherheitsbeauftragter der Kreissparkasse Waiblingen. „Bei einer der Pumpen ist ein Sicherheitsventil aufgegangen und Gas ist ausgetreten. Ammoniak riecht sehr penetrant, es ist ein reizendes Gas. Am Anfang war es nicht so stark wahrnehmbar, aber es hat sich rasch ausgebreitet“, berichtet Mückel. Dadurch, dass jedes Geschoss mit rauchdichten Türen ausgestattet ist, habe sich das Gas lediglich im Treppenhaus ausgebreitet.

Spekulationen über die Ursache der „Gefahrstoffausströmung“

„Gegen 13 Uhr ist von einem Handwerker eine Reparatur ausgeführt worden. Es sieht so aus, als steht dies in einem direkten Zusammenhang“, vermutet Lothar Kümmerle, stellvertretendes Vorstandsmitglied der Kreissparkasse. Das Gebäude ist mit einer Erdwärmeheizung ausgestattet. Die dazugehörige Wärmepumpe wird mit Ammoniak betrieben. 20 Minuten nach dem Alarm sei „der Befehl der Feuerwehr“ gekommen, das Gebäude zu verlassen. „Durch Notfallübungen sind wir gut geschult, zudem haben wir für solche Fälle Stockwerksbeauftragte“, sagt Kümmerle. Hektik oder Panik sei zu keinem Zeitpunkt aufgekommen.

„Unsere Sorge war, dass sich das Ammoniak über die Lüftungsanlage verbreitet, deswegen haben wir auch das Gebäude evakuiert“, erläutert Jochen Wolf, Kommandant und Einsatzleiter der Feuerwehr Waiblingen. Anschließend wurde auch die Bahnhofstraße gesperrt und der Verkehr um den Alten Postplatz umgeleitet.

Gegen 14.30 Uhr beginnt die Feuerwehr einen „Wasservorhang“ über das Gebäude zu legen. „Die Fenster sind alle geschlossen. Die Feuerwehr stellt einen Ventilator in den Keller, der das Ammoniak-Gas rausbläst. Der Wasservorhang bindet dann das Ammoniak. Wie das genau funktioniert, weiß ich nicht, ich bin ja kein Chemiker“, so Mückel.

„Ammoniak ist ein Gas und leichter als Luft. Ammoniak kann schwere Verätzungen der Haut sowie eine starke Reizwirkung von Augen und Atemwegen hervorrufen. Durch den Wassernebel kann das Gas gebunden werden und geht dann zu Boden. So wird sichergestellt, dass sich das Ammoniak-Gas nicht weiter ausbreitet und Personen gefährdet“, erläutert Einsatzleiter Wolf. Neben den konventionellen Feuerwehrautos war auch der Gefahrgut-Zug und ein Messfahrzeug im Einsatz. Wolf erklärt die giftgrünen Anzüge: „Das sind chemikalische Schutzanzüge. So werden die Atemwege und die Haut vor Verätzungen geschützt.“ Aufgrund der starken körperlichen Belastung seien jeweils zwei Feuerwehrmänner in 20-Minuten-Schichten im Gebäude gewesen. Auch im Treppenhaus arbeiteten die Feuerwehrmänner mit dem Wassernebel, um das Ammoniak zu binden.

Die Feuerwehr Waiblingen war mit insgesamt 63 Mann und 13 Fahrzeugen, das DRK mit 20 Mann und sieben Fahrzeugen im Einsatz. Die Polizei war mit sieben Streifenbesatzungen vor Ort. Gegen 15.30 Uhr ist der Großeinsatz vorüber, das Gebäude wieder freigegeben und Kommandant Jochen Wolf bereits unterwegs zum nächsten Einsatz. Dieses Mal ist es keine „Gefahrstoffausströmung“, sondern ein Routinefall: ein Zimmerbrand in Waiblingen-Neustadt.

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Die Gefahren von Ammoniak-Gas
  • Ammoniak ist eine chemische Verbindung von Stickstoff und Wasserstoff mit der Summenformel NH3. Es ist ein stark stechend riechendes, farbloses wasserlösliches und giftiges Gas, das zu Tränen reizt und erstickend wirkt.
  • Durch den unangenehmen Geruch, der schon bei niedrigen Konzentrationen wahrnehmbar ist, existiert eine Warnung, so dass Vergiftungsfälle mit Ammoniak selten sind.
  • Gasförmiges Ammoniak kann vor allem über die Lungen aufgenommen werden. Dabei wirkt es durch Reaktion mit Feuchtigkeit stark ätzend auf die Schleimhäute. Auch die Augen werden durch die Einwirkung von Ammoniak stark geschädigt. Beim Einatmen hoher Konzentrationen besteht Lebensgefahr durch Schäden in den Atemwegen.
Quelle: Winnender Zeitung vom 05.06.2012

Die Feuerwehrmänner schützen sich mit Schutzanzügen vor dem Ammoniak-Gas. (Bild: Bernhardt, ZVW)

Einsatzplanung am Alten Postplatz. (Bild: Bernhardt, ZVW)

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Winnender_Zeitung_2012_06_05.pdf